Also doch…

Geschrieben am 28.08.2008 um 07:47 Uhr von Isa Schmiedgen

 

… nun ist es auch: Auch Gamer sind normale Menschen und nicht zwingend mehr oder weniger psychopathisch und soziophob veranlagt als Spieleabstinenzler. Diesen verdacht hatte ich schon länger, zocke ich doch selbst nicht ungern und zähle einige, den PC-/Konsolen-Games zugeneigte Menschen zu meinen Freunden. Und es geht sogar noch über eine attestierte Normalität hinaus, darf man Andreas Rosenfelder glauben, der letzten Freitag an einem Interview bei Deutschlandfunk teilnahm.

Anlässlich der Games Convention am vergangenen Wochenende wurden Computerspiele als Teil des abendländischen Kulturbetriebes thematisiert. Andreas Rosenfelder, Kulturjournalist von “Vanity Fair” sieht in Computerspielen nicht nur Gefahren, sondern auch sehr viele positive Seiten: Historische Stoffe und Mythologien werden ebenso in Spielen integriert wie alltägliche Anforderungen an den Menschen in der postmodernen Welt. Man denke da zum Beispiel an Sims 2, wo man mit viel Geduld und Disziplin die Verantwortung für die putzigen kleinen “Menschen” übernehmen muss. Man trainiert Eigenschaften, die wesentlich sind für unseren Alltag und damit stehen Games “tatsächlich in einer Reihe mit Romanen, Theaterstücken und Filmen.” Die Games sind damit einfach ein neues technisches Gefäß, in dem kulturelle Werte transportiert werden.

Dass man bei übermäßigem Konsum allerdings nicht nur  vom Mehrwert der  Computerspiele  profitiert, sondern tatsächlich Gefahr läuft, den Bezug zur Realität zu  verlieren und schließlich eine Sucht entwickeln kann,  dem soll damit nicht widersprochen werden. Da sollte zumm Beispiel bei Jugendlichen, die sich die Nächte an der Konsole um die Ohren schlagen, eine Hab-Acht-Stellung der Eltern vorhanden sein. Wenn der Sohnemann jeden Abend volltrunken nach Hause torkelt, versucht man schließlich auch, dem Suchtverhalten entgegen zu wirken. Jedoch sollte man PC-Games nicht dem Generalverdacht als suchtmachendes Medium aussetzen:

Ich denke, das ist tatsächlich [...] eine Sache der Dosierung. Sicherlich braucht man sich nichts vorzumachen und ein übermäßiger Computerspiele-Konsum ist sicherlich nicht zuträglich einer gesunden Entwicklung. [...] Also das sind sicherlich Sachen, worauf man ein Auge haben sollte, dass das Computerspielen nicht auf die gesamte Lebenszeit übergreift, dass es sozusagen so Inseln bleiben, die auch in einem Umfeld von normalem Alltag und Sozialleben bestehen. Aber in den allermeisten Fällen, die ich kenne, ist das aber auch so. Es gibt dann vielleicht einige pathologische Fälle von krankhafter Spielesucht, aber [...] das gibt es, denke ich, auch in anderen Medien.

So muss man wohl die generell Skepsis dem Spiel gegenüber daran messen, wie lange gespielt wird und welchen Inhalt das Spiel hat. Und zu allerletzt kann man allen erbitterten Gegnern von Games immer noch entgegen halten, dass sie sich in einer Tradition der Kritik neuen Medien gegenüber befinden, wie man am Beispiel der Ablehnung trivialer Literatur im 19. jahrhundert sehen kann:

[...] Das sind ja auch Vorwürfe, die in der frühen Geschichte des Romans im späten 18. Jahrhundert, als der Roman sich als Massenmedium etabliert hat, im Umlauf waren, wo man gesagt hat, diese Lesesucht ist schädlich für die jungen Mädchen, die sich dann in ihren Trivialromanen verlieren.

 

Themenbereich(e): Allgemein

 

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