Multiple Persönlichkeiten?

Geschrieben am 08.05.2008 um 08:10 Uhr von Isa Schmiedgen

 

Wie ich schon in meinem ersten BarCamp-Bericht erwähnt habe, gab es das eine oder andere Thema, das mich zum Nachdenken oder gar zum Protestieren animiert hat. Dass man Arbeit und Privatleben trennen können muss, war eines davon.

Der Mensch selektiert in der Regel, welcher Job für ihn in Frage kommt und da spielen persönliche Neigungen und Hobbies eine wesentliche Rolle. Niemand will sich ernsthaft vorstellen, 45 Jahre einen Job machen zu müssen, der einem zuwider ist. Zumindest würde ich das keinem empfehlen. Denn damit gestaltet man sich nicht nur das Leben zu einem suboptimalen Müllhaufen, auch die Arbeit selbst leidet darunter. Wer seine Arbeit zum Übergeben schlecht findet, der macht sie bekanntlich auch nicht motiviert und mit dem besten Ergebnis im Fokus. Schon da ist die eigene Persönlichkeit nicht wegzudenken.

Zum Anderen: Persönliche Erfahrungen sind im besten Falle eine Bereicherung für den Job. Allerorten hört man von den berühmten Softskills, die an Bedeutung gewonnen haben, aber wo sollen sie denn herkommen, wenn nicht aus Sozialisation im Großen, durch Familie, Vereinsarbeit oder Teamsportarten im Kleinen? Eben! Das sind Dinge aus dem Privatleben, und die spiegeln sich, ob man nun will oder nicht, auch im Job wider. Menschen, die privat luxuriöse Dinge wertschätzen, werden sicher ihre Karriere so zu planen suchen, dass sie sich das auch leisten können. Oder sie heiraten zumindest dementsprechend ;-) Anderen ist wichtiger, dass sie Zeit für Freunde und Familie haben und demnach ist die Karriereleiter von vornherein kürzer konstruiert. Derlei Beispiele gibt es viele und es ist auch gut so, dass man als Mensch in beiden Bereichen mit ganzer Person aufgeht.

Man stelle sich vor, man könnte tatsächlich Privatheit und Arbeit vollständig von einander trennen? Es gibt Berufe, die gäbe es wahrscheinlich gar nicht, wäre es an dem. Ohne empathisch begabte Menschen wie Psychotherapeuten, Sozialarbeiter und Ärzte ohne Grenzen wäre die Welt ein so gestörter Planet, dass die paar friedlichen Fleckchen auf ihm auch noch weg wären. Und das will ich mir lieber gar nicht vorstellen!

 

Themenbereich(e): Allgemein, In eigener Sache, Job&Karriere

 

3 Kommentare zu „Multiple Persönlichkeiten?”

Rainer
08.05.2008, 09:17 Uhr

#1

 

Ich glaube, Du verstehst das alschf :-)
Natürlich braucht man Liebe zum Job - das heißt aber nicht, daß man den Job ins Privatleben hineintragen muß. Gerade diejenigen, die in sozialen Berufen - meine Holde ist Krankenschwester und hat einiges Belastende, Schreckliche erlebt - arbeiten, benötigen die Fähigkeit abzuschalten und den Job aus dem Privaten ‘rauszuhalten - die Belastung würde sonst zu groß und schlüge sich wiederum negativ im Berufsalltag nieder.
Aber auch für uns Normalos: Ich erinnere mich der Zeit vor ca. 10 Jahren - kein Abend vor 20, 21 Uhr zuhause gewesen. Frau und Kinder haben darunter gelitten - glücklicherweise habe ich die Kurve noch gekriegt.
Es geht also /nicht/ darum, Job und Privatleben zu trennen (oder zu verbinden), sondern beides auszugleichen. Nur dann funktionieren beide Seiten.

Howgh


Isa Schmiedgen
08.05.2008, 10:05 Uhr

#2

 

Guten Morgen Rainer!

So gesehen hast Du natürlich Recht! Ich will auch nicht von meinem Mann gesiezt und von meinen Kids mit ” die Tante” angesprochen werden. Ganz abgesehen davon, dass man in einigen Berufen mit grenzwertigen Erfahrungen kämpfen muss.
Ich habe die Diskussion auf dem BarCamp eher als psychologisch angehauchte verstanden, eben so, dass man als Privatperson nichts von sich in die Arbeit einbringen sollte, vor allem wenn man gegen Bezahlung bloggt zum Beispiel. Blogger sind ja “normalerweise” schon Privatmenschen, die über ihre Erlebnisse und Dinge, die sie interessieren schreiben und eben sich eben nicht als “Auftragskünstler” verstehen. Aber wenn man dann doch mal, dann halt eben professionell. Und da fängt sie halt an, die Frage, wieviel Privatperson darf man da noch in Blogartikeln zeigen. Aber vielleicht habe ich das wirklich grundlegend falsch verstanden und damit bleibe ich zwar grundsätzlich erst einmal bei meiner Meinung, relativiere das Ganze aber mit demütig gesenktem Haupt um deine genannten Einwände sehr gerne!! :-)


Ares
13.05.2008, 16:18 Uhr

#3

 

Hi,
da ich das unter anderem war der auf dem Barcamp, dieses gesagt möchte ich auch nochmal etwas dazu sagen. Natürlich kann man Privat Leben und Job nicht immer trennen, bei mir bestimmt noch schwerrer da ich der Firma eines Freundes mitarbeite und auch so viele meiner Online Kontakte vorher Offline Kontakte waren, aber es gibt gewisse Ding die gehören nun mal ausschließlich in den Privaten Sektor und auf dem Barcamp, klang es für mich so das es keine Trennung mehr von privatem und geschäftlichem gibt. Natürlich gibt es da Überschneidungen, doch es scheint so zu sein das man heutzutage davon aus geht das das Geschäftsleben das Privatleben einschliest und nicht umgekehrt. Also das Privatleben ein kleiner Teil des Geschäftsleben ist mit den selben Konsequenzen und Einschränkungen denen man sich im Geschäftsverkehr unterwerfen muss. Deswegen vertrete ich diese Trennung und sehe das Geschäftsleben lieber als einen kleinen Teil in meinem Privatleben, wobei ich da den Begriff Leben im allgemeinen besser fände, da dieser die Person im Ganzen (Pauschal im Privaten und im Öffentlichen) beschreibt.

Gruß

Alex


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