Educamp 2008 die Zweite und die Sache mit den Blogs
Geschrieben am 23.04.2008 um 08:10 Uhr von Nadia Kittel
Nachdem Jeanette über unseren Ausflug zum Educamp nach Ilmenau ausführlich berichtet hat, möchte ich ein paar inhaltliche Bemerkungen loswerden. Das Thema der Konferenz war spannend, auch wenn es nicht direkt “unser” Thema ist. Aber die Frage nach dem Einsatz “neuer” Medien in der Lehre sollte tatsächlich umfassend diskutiert werden. Meine Erkenntnis vorweg: Es ist nicht sinnvoll, jeden Kommunikationskanal auf Biegen und Brechen in die Lehre zu übertragen.
Besonders beschäftigt hat mich die Session zum Thema “Blogs an der Uni”, indem darüber diskutiert wurde, wie man Studenten zum Bloggen motivieren kann. Diese Frage muss jedem freiwilligen Blogger skurril und überflüssig erscheinen, denn wer seine Meinung nicht öffentlich äußern möchte, muss es ja nicht tun. Studenten dazu zu zwingen, im Rahmen eines Seminars ein Blog zu erstellen und (benotete) Inhalte zu verfassen ist aus diesem Blickwinkel naherzu irrsinnig.
Andererseits: Studenten (insbesondere wenn Sie später beispielsweise als Lehrer arbeiten) sollten dazu befähigt werden, die Möglichkeiten des Internets zu nutzen, auszuprobieren und sinnvoll einzusetzen. Deshalb kann es richtig sein, anstatt einer Seminararbeit ein selbst aufgesetztes Blog und eigene Beiträge zu verlangen. Auf diese Weise kann man lernen, wie die Technik funktioniert, was die Besonderheiten beim Bloggen sind, welche Chancen und Risiken es gibt. Lässt man als Dozent als jeden einzelnen Studenten des Seminars ein eigenes Blog mit Beiträgen zu einzelnen Seminarinhalten erstellen und bewertet diese Arbeit, nutzt man also einfach nur ein anderes Medium um scheinrelevante Leistungen zu erhalten. Die Frage nach der Motivation ist dann natürlich genauso schwierig wie bei einer Hausarbeit. Die wenigsten Studenten tun das gern. Aber am Ende haben die Studenten ein Blog “von hinten” gesehen und haben einen Bezug zu diesem Medium.
Meiner Meinung nach ist das ein möglicher, aber nicht perfekter Weg. Schließlich ist die Grundidee des Bloggens, dass jeder, der das möchte, von sich und seinen Ansichten schreiben kann - ohne Zensur und ohne Vorgaben. Und motiviert wird man dadurch, dass es Menschen gibt, die diese Dinge gern lesen wollen und im Idealfall direkt Feedback geben. Und je mehr Leser ich habe umso mehr macht das Bloggen Spaß. Aber freie Meinungsäußerung und Themenwahl hat man eben nicht, wenn man vom Prof gezwungen wird, zu bloggen.
In der Session in Ilmenau saß dann auch eine Studentin, die erzählte, dass sie bloggen müsse und das sie das ganz furchtbar fände, weil sie sich eigentlich lieber “in echt” mit Menschen unterhalten wolle als ein Blog zu schreiben. Sehr schräg, wenn ihr mich fragt. Die junge Frau wird wohl nie wieder drüber nachdenken ein Blog zu schreiben und sich vermutlich auch sonst wenig dafür begeistern können. In dem Fall, dass sie Lehrerin würde, wäre es sogar fatal, weil sie diese Erfahrung vermutlich auch weitergeben würde.
Nun bin ich kein Pädagoge und auch kein Medienwissenschaftler und vermutlich übersehe ich Aspekte, die für den “Blog-Zwang” sprechen. Meine Meinung ist aber, dass ein Blog eine geeignete Plattform für die Kommunikation von Seminarteilnehmer sein: Alle arbeiten an einem Themenblog mit, diskutieren über die Kommentarfunktion, schreiben Beiträge und arbeiten damit nicht nur das Thema auf, sondern präsentieren ihre Ergebnisse zudem dem geneigten Internet-Leser, der vielleicht Wertvolles zur Diskussion beisteuern kann.
Mein Fazit: Blogs des Blogs wegen in der Lehre zu nutzen, ist nicht sinnvoll. Wenn man aber auf diese Weise dem Seminar einen Mehrwert geben kann, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert. Über die Frage nach der Bewertung bin ich mir unschlüssig, das wäre eine Diskussion wert.
Was denkt ihr darüber, Blogs in der Lehre zu nutzen?
Themenbereich(e): Ausbildung, In eigener Sache, Internet
2 Kommentare zu „Educamp 2008 die Zweite und die Sache mit den Blogs”
Ich finde den Einsatz von Weblogs in der Lehre sehr sinnvoll, unter anderem auch aus Gründen, die du nennst (wie beispielsweise die Notwendigkeit bei Lehramtsstudierenden usw.). Wenn Studierende bloggen, dann kann dies außerdem dazu führen, dass sie sich aktiv und reflektierend mit den Inhalten eines Seminars auseinandersetzen und darüber gemeinsam diskutieren. Wenn man dies erreicht, ist das natürlich super.
Allerdings erreicht man das meiner Ansicht nach nicht, wenn man die Artikel der Studierenden bewertet. Dies finde ich genauso widersinnig wie du. D.h. man muss versuchen, die Studierenden für das Bloggen zu begeistern - und darüber ging ja auch unsere Session…
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hli
23.04.2008, 11:09 Uhr
#1
Der Mehrwert eines Blogs für den Schreiber desselben liegt (für mich) in erster Linie darin, sich mit einem Thema auseinandersetzen zu müssen. Wenn man versucht, ein Problem (und dessen Lösung) für andere verständlich darzustellen muss man sich einfach viel intensiver damit beschäftigen als wenn man einfach nur in einem Buch darüber liest. Man kennt das auch als ‘man lernt etwas erst dann richtig wenn man es anderen beibringt’.
Früher hat man das gemacht, indem die Studenten oder Schüler Vorträge gehalten haben. Aber Blogs skalieren einfach viel besser - man kann ja nicht zu jedem Thema jeden Studenten einen Vortrag halten lassen… Und der Lehrer kann auch recht gut sehen, welche Themen verstanden wurden und welche nicht, und sich dann darauf einstellen.
Insofern halte ich Blogging für einen enormen Zugewinn sowohl für Studenten als auch Lehrende. Und wenn jemand ein Studium macht und sich dann beschwert, dass man schriftlich arbeiten muss, hat er / sie wohl den Bildungsweg verfehlt (an einer Uni wird nunmal theoretisch unterrichtet, da sollte man schon in der Lage sein über das Gelernte schriftlich zu reflektieren…).