Keiner will mit mir telefonieren!
Geschrieben am 12.03.2010 um 07:51 Uhr von Daniela Krüger
Oft genug habe ich die angenehme Aufgabe Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Dazu rufe ich die Leute in der Regel per Telefon an. Doch dazu sind bestimmte Voraussetzungen nötig:
1. Eine Telefonnummer, die auch zu dem Bewerber führt
Es hilft mir wenig, wenn ich die Freundin des Bewerbers am Telefon habe und die mir sagt, dass ihr Allerliebster erst am Freitag wieder da ist.
2. Ein Telefon, an das auch jemand rangeht
Es gibt zwar Situationen, in denen man gerade mal nicht ans Telefon gehen kann - zum Beispiel im Meeting oder auf dem Klo, aber moderne Telefone verfügen über eine Mobilbox oder einen Anrufbeantworter. Diesen sollte man anschalten, schließlich könnte es sein, dass der Personaler doch mal anruft.
3. Überhaupt eine Telefonnummer
Welche Kontaktdaten unbedingt in eine Bewerbung gehören, darüber haben wir schon ziemlich häufig berichtet. Für mich am wichtigsten ist neben der E-Mail-Adresse die Telefonnummer.
Und wer jetzt sagt, dass er seine persönlichen Daten nur ungern herausgibt, hat in meinen Augen das Prinzip nicht verstanden: Nein, wir verkaufen keine Daten weiter. Nein, wir bieten kein halb-legales Abo unnützer Zeitungen an. Ja, wir wollen einfach nur kommunizieren - wenns geht mit dem Bewerber und nicht mit der Freundin oder dem Anrufbeantworter.
Themenbereich(e): - Vorstellungsgespräch, Allgemein
4 Kommentare zu „Keiner will mit mir telefonieren!”
Hallo Saskia,
natürlich nutze ich auch die E-Mail als Kommunikationsmittel. Jemanden, den ich nicht per Telefon erreicht habe, schreibe ich dann selbstverständlich per E-Mail an. Aber deine Aussage “Wir sind modern, da schicke ich meine Bewerbung freilich per E-Mail. Das ist bequem und spart beiderseits viel Geld und Zeit.” kann ich leider nicht teilen:
Denn sind wir mal ehrlich - eine Terminvereinbarung per E-Mail ist reichlich umständlich. Da gehen mindestens drei E-Mails und definitiv mehr Zeit drauf. Denn folgendes würde passieren:
1. Meine E-Mail an den Bewerber mit mehreren Terminvorschlägen, aus denen der Bewerber aussuchen kann. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass der Bewerber an dem einen Tag zu der vorgegeben Zeit verfügbar ist.
2. Die E-Mail von dem Bewerber, in der er sich für einen Termin entschieden hat.
3. Meine Bestätigungsmail mit weiteren Infos für das Gespräch.
Und für den nicht ganz unwahrscheinlichen Fall, dass man einen komplett neuen Termin vereinbaren muss, ist es sogar möglich, dass noch viel mehr E-Mails hin und her gehen und dass beispielsweise ein zeitnaher Terminvorschlag gar nicht mehr wahrgenommen werden kann. Da kann es auch schnell passieren, dass ein anderer Bewerber schneller ist…
Das Argument “bequem” teile ich zwar - aber ist dadurch ja nicht unbedingt optimal, denn jemanden per Telefon zu kontaktieren ist direkter und damit auch persönlicher.
Wenn natürlich das Unternehmen nicht mal den Anrufbeantworter des Telefons in Anspruch nimmt, dann liegt der Fehler ganz klar beim Personaler
.
Und überall erreichbar zu sein, das verlangt ja auch keiner. Weiß man zum Zeitpunkt der Bewerbung, dass man beispielsweise während der kommende Woche auf Dienstreise oder im Urlaub ist, kann man das gern mit in der Bewerbung anbringen. Ich verlange jedenfalls nicht, dass jemand immer und überall verfügbar ist - eben nur dann, wenn ich ihn zum Vorstellungsgespräch einladen will und das ist ja in der Regel tagsüber und auch nur von Montag bis Freitag.
Adrian Keller
#3
Sorry, Punkt 1 kann ich nicht teilen. Das läuft darauf hinaus, dass die Mobilrufnummer angegeben werden soll. Geht man zuhause nicht ans Telefon ist man …? Genau, unterwegs. In dieser Situation hat man in der Regel nicht den ganzen Terminkalender im Kopf und ist in der Situation leicht überfordert. Da besteht die Gefahr, dass man Termine überlagert. Ganz zu schweigen von gänzlich unpassenden Momenten des Anrufs. Damit will ich keine Schuldzuweisungen machen, sondern nur dafür sensibilisieren, wie privat eine Handynummer eigentlich ist (solange es kein geschäftliches Handy ist). Vor SMS- oder Telefonspam bei Bekanntgabe der Nummer solle aufgrund der aktuellen gesetzlichen Lage keiner mehr Angst haben. Das dürfte nicht der ausschlaggebende Grund sein, sondern eben die Privatsphäre. Die Angabe einer geschäftlichen Telefonnummer kann auch unerwünscht sein, denn es muss ja nicht gleich die komplette Belegschaft des Büros mitbekommen, dass man sich woanders beworben hat.
Weg mit den Ewig-Gestrigen
#4
Mal halblang. Wie oft wird ein Bewerber bei Anrufen in einer Personalabteilung abgewimmelt.? Warum wollen die immer sofort jemanden am Hörer haben, wenn sie selbst immer nicht erreichbar sind, im Meeting, Urlaub oder ach so gestresst und genervt von den ganzen Bewerbern. Ich finde eine kurze E-Mail besser und der Bewerber kann dann antworten.
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Saskia Jungmann
12.03.2010, 13:11 Uhr
#1
Manchmal fällt es recht schwer hinter die Logik vom Rekrutierungsprozeß zu steigen. Wir sind modern, da schicke ich meine Bewerbung freilich per E-Mail. Das ist bequem und spart beiderseits viel Geld und Zeit. Seitens der Personalbüros wird die E-Mail-Adresse allerdings sehr selten als Kontaktmöglichkeit gesehen.
Warum ist es während der ganzen Prozedur nicht möglich, kurz eine E-Mail zu schreiben und einen festen Termin für einen Anruf auszumachen, wenn der Bewerber nicht erreichbar ist? Statt dessen ist die Erfahrung bisher, daß zwar mehrmals angerufen wird, kurz bevor der Anrufbeantworter anspringt, wird allerdings aufgelegt. Die Nummer wird ebenso in den seltensten Fällen mitgeschickt - warum auch immer.
Da sind wir auch schon bei Punkt drei. Vielleicht gehöre ich zu einer aussterbenden Art, aber ich will nicht immer und überall erreichbar sein. Und ich bin es eben auch nicht. Die Option die Telefonnummer wegzulassen bleibt kaum. Aber wie bewegt man den Personaler dazu, doch kurz per E-Mail bescheid zu geben? Ein Teufelskreis…