Ist Mitschreiben im Vorstellungsgespräch gewünscht?
Geschrieben am 11.03.2010 um 08:01 Uhr von Johannes
Diese Woche hatte ich einen Bewerber, der alles Gesagte haargenau im Vorstellungsgespräch mitnotiert hatte. Damit war er leider so beschäftigt, dass er sich gar nicht mehr richtig auf das Gespräch konzentrieren konnte. Doch hätte er lieber darauf verzichten sollen? Oder gibt es doch Passagen im Interview, wo dass Mitschreiben erwünscht ist?
Claus Peter Müller-Thurau vertritt in seinem Buch eine sehr radikale Auffassung. Seiner Meinung nach wünscht sich der Personaler einen konzentrierten Zuhörer, der bei herausfordernden Fragen hellwach ist und auch mal eine Gegenfrage stellen kann. Deshalb sei das Mitschreiben im Interview zu unterlassen. Ferner ist er der Meinung, dass das Unternehmen sich einen Kandidaten wünscht, der sich auch mal Dinge merken kann.
Eine ganz so radikale Auffassung vertreten Daniela und ich in unseren Vorstellungsgesprächen nicht. Dort dürfen sich die Kandidaten auch mal ein paar Punkte mitnotieren, zum Beispiel zum weiteren Bewerbungsverlauf. Wichtig ist jedoch, dass der Gesprächsfluss darunter nicht leidet. In manchen Situationen sind sogar ein Blatt Papier und ein Stift durchaus erwünscht, zum Beispiel wenn der Kandidat sein Fachwissen einmal praktisch unter Beweis setzen muss.
Deshalb bleibt in einem Fazit festzuhalten, dass Ihr für eine solche Eventualität, immer ein Blatt Papier und einen Stift bereithalten solltet. Das Protokoll zum Vorstellungsgespräch sollte Ihr aber besser den Personaler überlassen und Euch stattdessen auf das Gespräch konzentrieren.
Themenbereich(e): - Vorstellungsgespräch
6 Kommentare zu „Ist Mitschreiben im Vorstellungsgespräch gewünscht?”
Notizen ganz unterlassen? Der Autor hat wahrscheinlich nicht bedacht, dass die Bewerbungssituation zwar für die Personaler fast alltäglich ist, aber für den Bewerber genau das Gegenteil ist.
In einem kurzen Gespräch entscheidet es sich für den Bewerber, ob er seinen Traumjob bekommt oder nicht. Bei einem Bewerbungsgespräch ist man automatisch nervös und man erhält so viele Fakten, dass sich Notizen empfehlen.
Ich notiere mir die Namen der Personen im Gespräch, sofern diese nicht vorher bekannt sind. Mehr als 3 Namen zu behalten - gerade in einer solch von Nervosität geprägten Situation - ist nicht einfach. Zumal man sich dann lieber “wichtigere” Fakten merkt.
Wer einen Bewerber wegen eines Notizblocks disqualifiziert, der geht wohl auch ohne Unterlagen in ein Meeting?
Hi Johannes,
interessantes Thema für Bewerber. Soll ich oder soll ich nicht. Man hört ja durchaus, daß der eine oder andere Kandidat ohne Stift und Block zum Gespräch erscheint.
Nach allem was ich weiß ist es absolut ok, wenn man die Personaler zu Beginn des gesprächs einfach kurz fragt, ob es ok ist, daß man sich gelgentliche in paar Notizen macht. Immerhin hat man so die Möglichkeit, kurzfristig bzw. sich aus dem gespräch ergebende Fragen zu merken und in der abschließenden Runde eigenr Fragen einzubauen.
Vielleicht hat man sich als Kandidat aber auch vor dem Gespräch schon intensiv Gedanken gemacht, wie man das Stellenprofil ausfülllen will und welche fragen man stellen will. Somit könnte man den oder die Personaler einfach fragen, ob sie etwas dagegen haben, die angefertigten Notizen/Fragen zu nutzen.
Sollten diese sich als Versatzstücke fürs Gespräch dienen, die dann abgelesene werden, merkt das der oder die Gegenüber sofort. Deshalb: Blickkontakt, Konzentration und gelegentlich Notizen. Eben alls was ein gutes und hoffentlich erfolgreiches Gespräch ausmacht.
Beste Grüße aus Stuttgart
Johannes
Ich stimme Roman voll und ganz zu. Wenn man nicht gerade zur Gruppe der Berufsnomaden zählt, ist ein Bewerbungsgespräch immer auch eine Stressituation. Wenn dann noch mit dem Namensgedächtnis nicht zum Besten steht, ist es durchaus ratsam, ein paar Fakten zu notieren. Unter Umständen ergeben sich auch Follow-ups aus einem Gespräch, zu denen man sich gern ein paar Stichworte notiert. Ich nehme auch grundsätzlich die Stellenbeschreibung mit bzw. lege mir im Vorfeld ein paar Stichworte zurecht, was ich denn vom Unternehmen bzw. über die angedachte Position wissen möchte.
Ursula Schön-Herrmann
#5
Für alle die, die nervös in ein Gespräch gehen, noch folgender Tipp:
Ich habe mir ein “Formular” entwickelt, in das ich meine Fragen vor dem Gespräch eingetragen habe. Das geht mit einer Word- oder Excel-Tabelle. Die meisten Fragen werden Im Laufe eines Gesprächs quasi automatisch beantwortet.
Zu den anderen kann ich gegen Ende des Gesprächs noch kommen, wenn ich will.
Der Vorteil ist: ich muß mich vorher schon dezidiert mit dem Gespräch befassen, d.h. ich habe dadurch schon die wichtigsten Sachen parat. Sollte es im Gespräch mal stocken, dann kann ich meinen Bogen heranziehen. Und, ich kann die wichtigsten Dinge NACH dem Gespräch in meinen Bogen eintragen. Gerade, wenn man viele Gespräche hat, kann das sehr helfen. Wenn man sich an dem Formular nicht festklammert, sieht es gut vorbereitet aus und das soll so sein.
[...] Outfit hat man sich am Abend vorher raus gelegt, in der Tasche sind alle wichtigen Dinge inklusive Notizblock und Stift, die Einladung zum Gespräch liegt oben auf. Jetzt gut frühstücken, noch einmal Durchatmen - und [...]
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Strangerli
11.03.2010, 10:18 Uhr
#1
Zahlen und Fakten kann man sich schnell in Stichworten aufschreiben. Ein Diktat aus einem Vorstellungsgespräch zu machen ist wirklich nicht nötig