“Bewerber googeln“ doch kein „Personaler-Sport“?
Geschrieben am 23.02.2010 um 07:32 Uhr von Johannes
Auf meiner „Reise” durch die Karriereseiten der großen Zeitungen bin ich auf eine kleine aber feine Umfrage der ZEIT ONLINE zum Thema „Wenn der Personaler den Bewerber googelt…” aufmerksam geworden. Etwas überrascht war ich schon von den Ergebnissen der befragten Personaler.
Denn auf die Frage, ob dass Googeln von Bewerbern Bestandteil des Recruitings ist, antwortete die überwiegende Mehrheit der Unternehmensvertreter mit einem klaren Nein. Als Begründung wurde vor allem die beträchtliche Anzahl an Bewerbungen angegeben, die das Recruiting in den Markenunternehmen so beansprucht, dass keine Zeit mehr bliebe, jeden einzelnen Kandidaten im Netz aufzustöbern.
Ein mir wesentlich mehr einleuchtender Grund ist aber, dass das Persönlichkeitsrecht des Bewerbers gewahrt werden muss, welches den Schutz des privaten Lebensraumes wahrt. Einzig der Leiter für Bewerbermanagement bei der Volkswagen AG hat dies laut der Umfrage sofort erkannt. Deshalb ist es auch unwahrscheinlich, dass mitten im Bewerbungsgespräch der potenzielle Bewerber mit peinlichen Fotos aus dem Netz auf einer Großleinwand konfrontiert wird und dazu Stellung beziehen muss.
Als Fazit kann ich mich nur meiner Bloggerkollegin Daniela anschließen, dass bei uns in erster Linie die Bewerbungsunterlagen ausschlaggebend sind. Was jedoch nicht gleichbedeutend ist, dass man auf seine Onlinereputation keinen Wert legen sollte. Gerade bei IT-Spezialisten, die sich viel im Netz aufhalten, lohnt sich manchmal der Blick hinter die Kulissen. Dennoch bleibt klar festzuhalten, dass es bei uns noch zu keiner Absage eines Kandidaten aufgrund einer Onlinereputation gekommen ist.
Themenbereich(e): - Arbeitsmarkt, - Online-Recruiting
7 Kommentare zu „“Bewerber googeln“ doch kein „Personaler-Sport“?”
Hallo Johannes,
stimmte Jeanette auf jeden Fall zu.
Es belegen sowohl die Bewerbungsstudie 2010 von Jochen Mai (Inititator) und alma mater sowie der Social Media Report HR 2010 von Thorsten, daß Personaler sehr wohl Bewerber in welcher Form auch immer häufig im Rahmen des Bewerbungsprozesses auf Ihre Online Profile überprüfen.
Ist doch letztlich auch kein Wunder, wenn man bedenkt, daß Personalentscheider in Deutschland als bevorzugten Social Media Channel Xing für sich entdeckt haben. Und da hat man ratz fatz einen Bewerber entdeckt oder eben auch nicht, was nicht unbedingt zum Nachteil des Kandidaten gereichen muß, aber auch nicht zu seinem Vorteil, wenn er dort nicht registriert ist.
Sicherlich macht es nicht jedes Unternehmen. Aber wenn man ehrlich ist: Der Aufwannd, den Kandidaten zu googlen oder via Xing zu kurz zu überprüfen, hält sich wirklich in Grenzen. Und dabei geht es vielen Personalern ja gar nicht in erstzer Linie darum, peinliche Fotos zu finden, sondern vielmehr um die Übereinstimmung der vorliegenden Bewerbungsunterlagen mit der im Netz dargestellten persönlichen Präsnetation.
Beste Grüße aus Stuttgart
Johannes
Wir haben hierzu auch ein wenig gebloggt (http://blog.recrutainment.de/2010/02/23/screenen-unternehmen-bewerber-im-social-web-wirklich/). Es gibt in der Tat empirische Befunde, die belegen dass es kein völliges Hirngespinst ist. Aber es gilt hier halt auch, dass man nicht überdramatisieren sollte. Wenn Unternehmen im Web Bewerber screenen, dann ist das doch nichts anderes, als wenn Bewerber im Web Unternehmen screenen. In beiden Fällen gilt: Man sollte authentisch kommunizieren. Und wenn das dann dazu führt, dass man sich gegen einen Bewerber / ein Unternehmen entscheidet, dann passt es halt wohl auch nicht…
Tom
#4
Hallo Johannes,
wenn man vollständige Bewerbungsunterlagen hat, würde ich mir auch nicht die Mühe machen. Wenn aber Lücken auftauchen, oder die Unterlagen von einer Agentur kommen, würde ich schon mal nachsehen, ob ich nicht mehr finde.
Ich erinnere da nur an den Bewerber mit dem Geburtsdatum 1.1.1970, was natürlich im IT-Bereich sofort die Alarmglocken läuten lässt. (in diesem Fall zu unrecht, der Mann war tatsächlich an diesem unglückseligen Tag geboren)
Gruß aus Frankfurt
Tom
[...] befragten Personaler gemacht, also gerade mal knapp über die Hälfte! Johannes vom Bewerberblog ist das auch aufgefallen, und die Erklärung ist auch recht schlüssig -> es sind halt ne Menge Bewerbungen, die tagtäglich [...]
Sehr spannend sind die Ergebnisse der aktuellen Datenschutz-Studie von Microsoft zum Thema Online Reputation Management:
=> 59% der Personalentscheider suchen Informationen zum Bewerber im Internet!
=> 16% der Personalentscheider haben bereits einen Bewerber aufgrund dessen Online-Profils abgelehnt!
=> 71% der deutschen Personalentscheider glauben, dass ein positives Online-Profil die Chancen bei einer Bewerbung erhöht!
=> Nur 6% der deutschen Recruiter nutzen keine Informationen zur Online Reputation von Kandidaten!
Bei weiterem Interesse verweise ich gerne auf einen Artikel zu diesem Thema in unserem Yasni Blog:
http://blog.yasni.de/business/egomarketing-mit-yasni/
[...] Netzwerke à la Xing, StudiVZ und Facebook die Arbeit. Zeitintensiv ist es trotzdem, wenn man jeden Bewerber erstmal googeln will. Also sollte man auch hier kritisch vorgehen, vor allem weil das Netz auch Vieles [...]
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Jeanette
23.02.2010, 09:17 Uhr
#1
Hmmmm, der in der letzten Woche von Thorsten vorgestellte Social Media Report HR 2010 (http://www.blogaboutjob.de/4193/social-media-report-hr-2010/) zeichnet ein etwas anderes Bild beziehungsweise wird es da noch etwas detaillierter angegangen. So haben 59% schon einmal nach Bewerbern im Netz gesucht und die Ergebnisse aus den Fragen 13 - 17 sind hierzu sicher auch ganz aufschlussreich. Die Antwort hinsichtlich des Persönlichkeitsrechts (oder auch ethische Gründe es nicht zu tun) klingt für mich letztlich doch ein bißchen nach einer sozial erwünschten Antwort. Mit anderen Worten ist ja nun hoffentlich klar, dass man seinem Kandidaten nicht gerade ne Diashow der peinlichen Netzfundstücke beim Vorstellungsgespräch präsentiert. Aber letztlich sollte das Bewusstsein darüber, dass man selbst ein Auge auf die Informationen haben muss, die über einen selbst im Netz zu finden sind, langsam in den Köpfen angekommen sein…eben weil die Informationen öffentlich und für jedermann zugänglich sind.
Aber auch sonst ist der Report recht gelungen und hat noch ein paar spannende Ergebnisse zu bieten.