Teach First als Sprungbrett ins Arbeitsleben

Geschrieben am 10.11.2009 um 08:32 Uhr von Daniela Krüger

 

Schon mal von „Teach First” gehört? Nein? Ich bis vor kurzem auch nicht. Doch als ich den Artikel bei Spiegel Online gelesen habe, wusste ich, worum es geht und war begeistert.

Teach First ist die Möglichkeit als Absolvent jeder Studienrichtung für zwei Jahre an einer Schule zu unterrichten, zu unterstützen, zu helfen. Es ist quasi eine Art Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Studium. Allerdings muss man schon wissen, worauf man sich einlässt: Absolventen werden nicht die Mädels und Jungen in einem privaten High-Society-Internat bei den Hausaufgaben unterstützen, sondern an sozialen Brennpunkten, an Haupt-, Real- und Gesamtschulen ihren Beitrag leisten dürfen.

Allerdings liegen in meinen Augen die Vorteile für beiden Seiten und die Gesellschaft klar auf der Hand:

  • Schüler bekommen einen direkten Draht zu den sonst so entfernten Studenten und werden dadurch vielleicht selber motiviert später mal zu studieren.
  • Wenn man als Absolvent Glück hat, wird man sogar als Vorbild angesehen, da die Schüler vermutlich eher einen Bezug zu einem 5 Jahre älteren Studenten aufbauen können als zu einem 40 Jahre älteren Lehrer.
  • Die Absolventen können sich und ihre Grenzen der Belastbarkeit testen - nichts ist anstrengender als eine Horde pubertierender Teenager!
  • Für die Gesellschaft entsteht ein Mehrwert, indem frischer Wind durch die Schulen weht, wo sonst nur verstaubte Rahmenrichtlinien den Unterrichtsalltag bestimmen.

Ich persönlich bin zwar froh, dass ich jetzt einen Job habe, aber wenn ich dieses Glück nicht gehabt hätte, wäre diese Form sicher eine willkommene Alternative. In meinen Zweitberufswunsch Lehrer hätte ich auf diese Weise gut hineinschnuppern können und auch so bekommt man das Gefühl, ein wenig verändern zu können. Jeder schimpft immer über die Lehrer, die Bildungsmisere in Deutschland, die demotivierten Jugendlichen - da ist solch eine Idee natürlich die beste Möglichkeit selbst mit anzupacken. Na ja und für die weitere berufliche Entwicklung kann es ja nur gut sein. Man verdient zwar kein Vermögen, aber das sollte ja auch nicht der Sinn der Sache sein.

Was man braucht: Idealismus, starke Nerven, ein paar gute Ideen und Begeisterungsfähigkeit. Ich bin gespannt, ob sich das Projekt etablieren wird. Wünschen würde ich es mir - in den USA und Großbritannien funktioniert es jedenfalls schon ziemlich gut.

Das Projekt wird bisher nur in Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen angeboten. Diese Bundesländer übernehmen übrigens auch das Gehalt der Absolventen. Weiter wird Teach First von privaten Förderern wie der Lufthansa, der Deutschen Post, der Robert Bosch Stiftung, der Vodafone Stiftung und vielen Anderen unterstützt.

 

Themenbereich(e): Ausbildung, Job&Karriere

 

7 Kommentare zu „Teach First als Sprungbrett ins Arbeitsleben”

Nun-ex-Referendar
10.11.2009, 09:22 Uhr

#1

 

Wer wird denn diese Stellen annehmen? Alldiejenigen, die keinen regulären Platz als Lehrer bekommen. Denn alle genannten Vorteile treffen auch auf eine reguläre Lehrer-Stelle zu. Hinzu kommen dann noch die Vorteile eines unbefristeten Vertrages und ein “normales” Gehalt.

Und für einen Zweitberuf als Neuorientierung wird es keiner wagen, einen regulären Job aufzugeben.

Meine Meinung daher: Zu wenig Geld für zu viel erforderliches Engagement ohne Aussicht auf Festanstellung.


[...] Teach First als Sprungbrett ins Arbeitsleben : Bewerberblog.de http://www.bewerberblog.de/?p=3032 – view page – cached Schon mal von „Teach First” gehört? Nein? Ich bis vor kurzem auch nicht. Doch als ich den Artikel bei Spiegel Online gelesen habe, wusste ich, worum es geht und war begeistert. [...]


Martin
10.11.2009, 16:07 Uhr

#3

 

Moment, ich hatte verstanden, dass es gerade für Absolventen aller Fachrichtungen gedacht ist?! Für Lehrämtler macht es in der Tat wohl wenig Sinn, aber für andere sehr wohl. Wenn ich nochmal vor der Entscheidung stünde, würde mich das auf jeden Fall interessieren!


Chocobo
10.11.2009, 19:40 Uhr

#4

 

Hallo und sorry für Off-Topic,

ich frage mich schon seit längerem, wo man Phasen der Arbeitssuche unterbringen soll. Zum beruflichen Werdegang gehören sie ja eigentlich nicht. Könnte man eine Kategorie “Sonstiges” im Lebenslauf machen, bei der man dann Wehrdienst ö.ä. und eben die Arbeitslosigkeit unterbringt, oder wirkt das dann so, als wolle man es “verstecken”

Grüße
Chocobo


Daniela
11.11.2009, 10:55 Uhr

#5

 

Hallo Chocobo,

auf jeden Fall sollte man längere Phase der Arbeitssuche im Lebenslauf erwähnen. Wo das genau geschieht, ist jedem selbst überlassen. Wichtig ist, dass man es nicht verheimtlicht, denn auffallen werden diese “Fehlzeiten” dem Leser so oder so. Sich dann im Nachhinein dafür erklären zu müssen, könnte auch etwas unangenehm sein.
Aber gut, dass du das Thema ansprichst. Das sollten wir in einem der nächsten Blogartikel mal genauer unter die Lupe nehmen.
Viele Grüße Daniela


[...] Ein Leser hat uns letztens gefragt, wo man längere Fehlzeiten zum Beispiel durch Arbeitssuche oder Krankheit im Lebenslauf unterbringen soll. In der Tat ist es nicht einfach und es gibt auch kein Patentrezept, wie man es am besten anstellen soll. [...]


Daniela
30.01.2010, 07:32 Uhr

#7

 

Hier gibt es noch eine Ergänzung… brandaktuell beim Spiegel erschienen: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,668010,00.html :-)


Einen Kommentar verfassen:




 


 

Bewerberblog.de Feeds:  
 
www.gagamoto.de

Anzeige