Jobsuche via Twitter

Geschrieben am 04.08.2009 um 08:34 Uhr von Daniela Krüger

 

Die spannende Frage, die sich ja schon in unserer BewerberBlog-Umfrage widerspiegelt und schon seit Wochen bei uns im Büro kursiert, ist zur Zeit: Kann man über Twitter einen Job finden? Nach etwas Recherche bin ich auf das Blog von Brand-Yourself.com gestoßen, auf dem in vier Schritten erläutert wird, wie man den idealen Job bei Twitter finden kann.

Zunächst geht es natürlich um das Profil: Es sollte so aussagekräftig wie möglich sein, das heißt schlagkräftige Keywords enthalten, ein nettes Profilfoto und weitere Verlinkungen auf andere Communities wie LinkedIn oder Xing haben. Als nächstes ist natürlich wichtig die richtigen Twitterer zu finden, denen man folgen will. Das können zum Beispiel Unternehmen sein oder branchennahe Personen, die wiederum ein gut ausgebautes Netzwerk haben. Dann sollte man natürlich auch aktiv werden - und zwar sinnvoll, das heißt mit guten Beiträgen. Und schließlich sollte man ab und an auch einen aussagekräftigen Tweet verfassen, in dem man deutlich macht, dass man einen Job sucht.

Thorsten von blogaboutjob hat sich in seiner Twitterschule auch eingehend mit dem Thema Jobsuche auseinander gesetzt und steht dem Ganzen etwas kritisch gegenüber: Er ist der Meinung, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man genug Follower hat, die einem in der Jobsuche unterstützen. Auf der Unternehmensseite bedeutet das, auch innerhalb des Unternehmens Mitarbeiter zu haben, die die vakante Stelle über ihren Account weiterverbreiten. Andersherum sollten Follower des Jobsuchenden interessante Tweets „retweeten”, um potenzielle Interessenten anzusprechen. Auch die aus Twitter hervorgegangenen Jobsuchmaschinen JobTweet.de und TwitterJobSearch sind in Thorstens Augen keine wirkliche Innovation, sondern nur zwei weitere Jobbörsen unter vielen Tausenden.

Ob die Jobsuche über Twitter also wirklich funktioniert, steht noch in den Sternen. Denn bisher gibt es nur wenige Leute, die twittern und noch viel weniger, die Twitter für die Jobsuche nutzen. Die Strategien und Vorschläge hören sich meines Erachtens erstmal nicht schlecht an. Vermutlich ist der Erfolg des Ganzen auch abhängig von der jeweiligen Position, von Branchen und von der Innovationsfreude der Unternehmen. Denn wenn keiner den Stein ins Rollen bringt, kann auch keine Lawine entstehen. Ich bin jedenfalls gespannt, ob der Twitter-Hype nur ein Hype bleibt oder sich zu einem Ernst zu nehmenden Personalmarketing-Instrument entwickelt.

 

Themenbereich(e): - Online-Recruiting, Internet, Jobbörsen, Personalmarketing

 

7 Kommentare zu „Jobsuche via Twitter”

Thorsten
04.08.2009, 10:06 Uhr

#1

 

Hallo Daniela,

zunächst einmal vielen Dank das Du auf meinen Artikel in blogaboutjob hingewiesen hast.
Aber da scheinst Du etwas in meinem Artikel mißverstanden zu haben.
Ich stehe Twitter zur Jobsuche und auch als Recruiting Tool absolut positiv gegenüber. Wichtig ist jedoch, dass man seine Aktivitäten vernünftig vorbereitet und einsetzt.

1. Für Bewerber heißt das Reputationsmanagement. Hier spreche ich nicht davon, dass viele Follower wichtig sind.
2. Was Du wahrscheinlich in den falschen Hals bekommen hast, sind die Grafiken mit den Followern. Wenn Du Dir das in Ruhe durchliest, wirst Du feststellen, dass hier lediglich die Unternehmen gemeint sind, die Bewerber suchen, nicht umgekehrt.
3. Und auch hier geht es nicht um eine Vielzahl von Followern, sondern darum, das man eigene Mitarbeiter als Distributoren einsetzt und als Unternehmen über die Möglichkeit von Tweets nachdenken sollte, die von Twitterern mit einer hohen Followerzahl und somit potentiellen Meinungsbildnern weitergereicht werden.

Ich schreibe immer sowohl für Bewerber, als auch für Unternehmen. Du hast da sehr wahrscheinlich beides vermischt und so einen falschen Eindruck bekommen.

Zu Deiner Frage ob Twitter funktioniert um einen Job als Bewerber zu bekommen. Ja, das funktioniert. Wenn man es allerdings nur als Jobsuche nutzt, hätte an auch jede andere Stellenbörse nehmen können. Viel wichtiger ist, als Bewerber, seine eigene Marke auf Twitter aufzubauen, das Profil und die Tweets so zu gestalten das man auch gefunden wird. Und ganz wichtig: Sein Netzwerk auszubauen.

Liebe Grüsse,

Thorsten


Daniela Krüger
04.08.2009, 10:44 Uhr

#2

 

Hallo Thorsten,
mhm vielleicht habe ich mich auch etwas missverständlich ausgedrückt, aber ich hatte beim Lesen deines Artikels nicht den Eindruck, dass du der Jobsuche via Twitter negativ gegenüberstehst, sondern kritisch - im Sinne von “funktioniert unter bestimmten Voraussetzungen”. Und ich denke, das hast du auch gemeint, oder?

Auch die Grafiken habe ich hoffentlich nicht komplett missverstanden. Ich habe es so gesehen, dass ein Unternehmen die freie Stelle möglichst über viele gute Kanäle verbreiten muss. Mit “gut” meine ich, dass die Stelle eben durch Retweets weiter verbreitet wird. Ich habe auch nicht von vielen Followern gesprochen, sondern von vielen Followern, die den Job weiter posten.

Was vielleicht etwas zu kurz gekommen ist in meinem Artikel und wo ich dir unbedingt Recht geben muss, ist der Aspekt mit der Reputation und dem Netzwerken. Ich denke auch, dass diese Punkte die Stellschrauben für eine erfolgreiche Jobsuche über Twitter sind.

Viele Grüße aus Jena
Daniela


Johannes Lenz
04.08.2009, 11:12 Uhr

#3

 

Hi Daniela,

also zu Deinem Post muß ich auch was sagen, nicht nur des Bedürfnisses wegen, sondern weil das Thema mich einfach fasziniert und ich darüber schon das eine oder andere geschrieben habe.

Das bisherige Ergebnis Eurer Umfrage “Was haltet ihr von Recruiting/Bewerben via Twitter und Facebook?” kann zwar stimmen (allein 51% halten Twitter & Co. für keine geeigneten Recruiting-Instrumente), ist aber nicht unbedingt das Maß aller Dinge, wenn man sich ansieht, wer sich so alles mittlerweile über die neuen sozialen Kommunikationskanäle auf Jobsuche begibt bzw. Recruiting betreibt. Da ist m.E. noch viel Potential drin, vor allem, weil die Netzwerke weiterhin an Zulauf gewinnen. Und ich wiederhole mich mit meiner Frage: Ist die Qualität der Jobs auf Twitter nicht sogar höher als bei Monster & Co.?

Für Unternehmen wird der Social Media Bereich zunehmend wichtiger. Der direkte schnelle Draht zum Kunden, die noch komprimiertere, facettenreichere und vernetztere Verteilung von Unternehmensinformationen ist eine Entwicklung, die sich schon niederschlägt und erste Früchte trägt (Stichwort: Social Media Newsroom). Schließlich wandelt sich damit auch die Corporate Online PR und öffnet sich dem Leser, Kunden, Interessierten und wird dialogfähiger.

Was das Recruiting anbetrifft, so wird dieses ebenfalls von der Social Wave erfasst und hilft etwa Unternehmen, noch gezielter Absolventen anzusprechen, etwa auch via jobtweet.de. Und bei den Ju8ngs aus HH tut sich Einiges: Inzwischen bieten sie Unternehmen wie Bewerbern eine Plattform, die sich sehen lassen kann und die ich an dieser Stelle ausdrücklich nicht deshalb erwähne, weil wir inzwischen im Online Bereich Premium-Partner sind, sondern weil sie innovativ vorangehen und ihre Seite regelmäßig verbessern.

Abschließend noch ein Gedanke: Sind die Zeiten schwierig, sollte man als Bewerber und vielleicht auch als Unternehmen die sich bietenden Möglichkeiten nutzen. Im Falle von Twitter & Co. geht dies sogar kostenlos, lediglich der Zeitaufwand muß gemanagt werden… Und mit dem entsprechenden Mix an Followern, einer klaren Dialogbereitschaft mit entsprechendem Branding für die eigene Person wird man nach einer gewissen Anlaufphase durchaus Interessantes erfahren. Und wenn es nur jemand ist der jemanden kennt, den einen Job hat oder darum weiß…

Liebe Grüße aus Stuttgart

Johannes


Sandra
04.08.2009, 12:44 Uhr

#4

 

Ich denke gerade an einen 56-jährigen Mann, Fertigungsmechaniker, seit einem Jahr arbeitslos und arbeitssuchend. Wie realistisch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mann, wenn er nun anfängt fleißig zu twittern und seine Arbeitskraft anbietet, von potentiellen Arbeitgebern ein Jobangebot erhält?

Sehr gering, würde ich sagen.

Für jene, die berufsbedingt im Netz verkehren, ist Twitter (zwangsläufig) ein Begriff und sicherlich auch eine Errungenschaft, in welcher Hinsicht auch immer. Aber was ist mit dem “normalen” Arbeiter? Menschen, die das Internet nur aus rein privaten Gründen/Interessen nutzen, wenn überhaupt, beruflich aber nichts weiter damit zu tun haben. Für diese Menschen sehe ich die Twitter-Bewerbung, nicht als ernstzunehmende Möglichkeit, um an einen Job zu kommen. Und ob Unternehmen Twitter zur Personalsuche nutzen, hängt auch davon ab, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist bzw. inwieweit das Internet im Arbeitsalltag eine Rolle spielt. Außerdem muss man nicht immer mit dem Strom schwimmen oder jedem “Trend” folgen. Es ging bisher ohne und so wird es auch in der Zukunft sein.

Davon abgesehen ist für viele private Nutzer Twitter eher unbekannt oder sie haben mal etwas darüber in den Medien vernommen, nutzen es aber nicht, was auch eine Umfrage in unserem Forum ergeben hat.
http://arbeits-abc.de/forum/umfragen/die-ganze-welt-twittert-haltet-ihr-davon-12767/

LG Sandra


Nadia
04.08.2009, 16:42 Uhr

#5

 

Sandra, du hast vollkommen recht. Ob Twitter zur Jobsuche taugt, hängt maßgeblich vom Job ab. Genauso wie es für einen Webdesigner Sinn macht, sich per Bewerbungs-Homepage zu bewerben und es für einen angehenden Bankkaufmann richtig sein kann, eine dezente schriftliche Mappe zu verschicken, kann es für Bewerber in der Web2.0-Welt eine gute Idee sein, auch via Twitter einen Job zu suchen. Das Nonplusultra ist dieser weg sicher (noch) nicht, aber man zeigt damit, dass man dieses Instrument beherrscht. Genau wie eine Sekretärin mit einem DIN-konformen Anschreiben zeigt, dass sie ihr Handwerk beherrscht. Für eine Fertigungsmechaniker ist Twitter deshalb wohl nicht das Mittel der Wahl. Zumal vermutlich Unternehmen, die Fertigungsmechaniker suchen, eher nicht twittern…


Richard Jelend
12.08.2009, 14:48 Uhr

#6

 

Hallo,
also erstmal finde ich den Artikel von dir Daniela echt interessant und brauchbar!
Twitter als Internetblogging-dienst ist zur passiven Stellensuche durchaus brauchbar, denn über
50% aller Stellen werden über Kontakte und netzwerke vergeben! Allerdings rate ich von der aktiven Suche mit
Twitter ab, da man sich damit als “Suchender” outet und damit weniger interessant für die Unternehmen wird!
Viele Grüße, Richard Jelend, Pape Consulting Group AG, http://www.pape.de


[...] Allerdings bin ich mal gespannt, wann solche Artikel wie „Mit dem Xing-Profil zum Job” oder „Jobsuche via Twitter” oder „Jobsuche & Recruiting 2.0″ oder „Facebook als Recruiting-Instrument” oder [...]


Einen Kommentar verfassen:




 


 

Bewerberblog.de Feeds:  
 
www.gagamoto.de

Anzeige