“Ach bitte, Chef, hab mich doch lieb!”
Geschrieben am 24.04.2009 um 08:02 Uhr von Isa Schmiedgen
Man arbeitet, um zu leben, und das in zweierlei Hinsicht. Ohne Arbeit: Kein Geld, keine Wohnung, kein Essen, keine Klamotten. Aber auch: Langeweile, Stillstand und damit keine Bestätigung im Können einer sinnvollen Tätigkeit, weder von innen noch von außen. Arbeit gehört zur Identität, man definiert sich darüber, deshalb fühlen sich viele Menschen nach dem Verlust der Arbeit nicht nur finanziell bedroht, sondern auch geradezu wertlos. Doch es soll sie auch geben, die Arbeitnehmer, die sich trotz Arbeit wertlos fühlen, weil die Bestätigung der eigenen Leistung einfach ausbleibt. Stichwort: Gratifikationskrise!
Jan und Alex haben mit ihrem Artikel zur Mitarbeitermotivation darauf hingewiesen, dass es eben nicht nur das Geld ist, was zählt! Der soziale Status, den man durch seine Arbeit gewinnt, ist vor allem auch nicht-finanzieller Anerkennung, durch Lob und Wertschätzung der Tätigkeit geschuldet. Wenn das ausbleibt, dann ist es dahin, das Selbstwertgefühl. Viele Angestellten wollen ihren Job gut machen und sie tun das, weil es Zeugnis von den eigenen Fähigkeiten ablegt und sie wollen auch Anerkennung! Die sie zweifelsohne auch verdienen!
Ein tyrannischer Vorgesetzter erreicht nur, dass seine Mitarbeiter aus Angst vor cholerischen Anfällen das machen was sie sollen, und zwar nur genau das! Eigeninitiative fördert das nicht. Und sobald der Mitarbeiter die Chance auf eine andere Stellt hat, wird er sie ergreifen und ist weg. Das ist bei einer Person für das Unternehmen selbst vielleicht nicht so verheerend, aber wenn sich das häuft, dann heißt das:
Ständig Personalsuche, die immer weniger erfolgreich verlaufen wird, denn ein schlechtes Image verbreitet sich schnell. Ständig neue Mitarbeiter einarbeiten, was den Arbeitsprozess verlangsamt. Ständig schlechte Stimmung, was Kreativität und Motivation im Keim ersticken lässt. Also selbst wenn man durch die Arbeitsmarktlage durch zu wenig Anerkennung keinen Mitarbeiter verliert, dann glänzen diese trotzdem nicht mit Eifer und Eigenantrieb, mit Kreativität und neuen Ideen. Und genau das kann einen tatsächlichen Wettbewerbsnachteil bewirken.
Mitarbeiter fühlen sich auch nur dann loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber, wenn dieser sie schätzt und sie nicht behandelt, als hätte die Abschaffung der Sklaverei nie statt gefunden. Jeder Arbeitnehmer ist quasi ein Dienstleister, der sein Können gegen eine Gegenleistung zur Verfügung stellt. Er verdient mindestens Respekt und wenn man erwartet, dass er gern zur Arbeit geht und auch zum positiven Image der Firma beiträgt, dann sollte man mit Belohnung welcher Art auch immer nicht geizen.Das kann ein Urlaubstag außer der Reihe sein, eine Gehaltserhöhung, eine Grillfeier für die gesamte Belegschaft…
Wen also rein menschliche Gründe bisher nicht davon überzeugen konnten, nett zu seinen Mitarbeitern und Kollegen zu sein, den sollten doch zumindest diese rationalen Gründe zu etwas weniger misanthropischen Verhalten veranlassen, oder?
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