Recruiting und Twitter
Geschrieben am 23.04.2009 um 08:09 Uhr von Nadia
Als wir vor einem Jahr als Aprilscherz verkündeten, Bewerbungen per Twitter entgegenzunehmen, haben wir uns dabei vor Lachen auf dem Boden gekugelt. Dass daraus nun tatsächlich Realität geworden ist, verschlägt mir geradezu die Sprache. Lustigerweise war auch jemand auf unseren Scherz hereingefallen und verdächtigte uns gleich der Spinnerei: “…ihr macht aber auch jeden neuen Scheiß mit und denkt ihr seid soooo cool! [...] Man muss nicht jeden neuen Quatsch mitmachen!”. Nachdem es dann eine Weile ruhig war um den Microblogging-Dienst, erlebt er jetzt schon seit einiger Zeit eine Renaissance und nun springen auch die Personaler auf den Zug auf. Besonders beschäftigen sich Jan und Alexander vom Wollmilchsau-Blog mit dem Thema. Die haben letzte Woche gar eine Blogparade gestartet, mit der sie sich über “Kommunikationsstandards für den Twitter-Arbeitsmarkt” austauschen wollen.
Sie argumentieren, dass Twitter eine sehr große Menge an relevanten Informationen hervorbringt und sammelt, die intelligent “durchsucht” werden können. Damit das gelingt, sollten Kommunikationsstandards eingeführt werden, die die Suche erleichtern. Damit sind zum Beispiel die bereits genutzten “Hashtags” gemeint, mit denen man seinen Twittereintrag taggt, um ihn später wiederzufinden. Das geschieht bereits und hilft bei der Suche in Twitter, zum Beispiel mit speziellen Suchmaschinen, zum Beispiel der hier.
Für Personaler, die Ihre Stellenangebote twittern wollen, bietet es sich da besonders an, sich an gemeinsame Regeln zu halten, damit die Jobangebote auch gut gefunden werden. Das halte ich für eine gute Idee, auch wenn ich bezweifle, dass sich alle twitternden Personaler an eine Regel halten. Aber sinnvoll wärs allemal. Wie diese Regeln nun konkret aussehen sollen, finde ich nicht so wichtig, da vertraue ich denen, die Twitter schon mehr nutzen als wir.
Ich frage mich nur eher, ob tatsächlich Twitter-Nutzer gezielt nach Jobangeboten suchen. Meine Erfahrung ist, dass Twitter kaum als tatsächlicher Dienst zum Austausch ist, sondern dass es viel mehr um das einseitige Mitteilen an eine Gruppe von Leuten geht. Eher selten kommt ja tatsächlich eine Art Dialog zustande.
Zwei Sachen kann ich mir aber gut vorstellen: Personaler, die über die gezielte Schlagwort-Suche nach Kandidaten suchen, die sich fachlich über Twitter austauschen. Wenn also ein Java-Entwickler über seine Arbeit berichtet und dem Eintrag den Hashtag #Java gibt, ann lässt er sich als jemand identifizieren, der sich recht wahrscheinlich auch damit auskennt. Nun könnte man diesen Menschen als Personaler antwittern und fragen, ob er vielleicht einen Job sucht oder wechseln möchte.
Die andere Variante wäre, dass man als Personaler über Twitter-Einträge das Interesse an einer bestimmten Stelle weckt und sich andere Twitterer dafür interessieren und direkt nachfragen. Dort hätte man dann wohl eher mit “Insider”-Wissen eine Chance, Leute für die Stelle zu interessieren als mit einer verkürzten Stellenbeschreibung, die man als Langform dann auch in den einschlägigen Börsen finden würde.
Beide Varianten entsprechen meiner Meinung nach eher dem spontanen und differenzierten Charakter von Twitter. Ich denke jedenfalls, dass Standards wie der von den Wollmilchsau-Bloggern vorgeschlagene grundsätzlich gut sind, bin aber nicht sicher, ob sich diese Art der Twitter-Nutzung durchsetzen wird. Warten wir es ab, ich bin gespannt. Und solange probieren wir einfach mit dem Gezwitscher herum.
Themenbereich(e): - Online-Recruiting, Personalmarketing, Recruiting
7 Kommentare zu „Recruiting und Twitter”
Danke, Mira! Sieht interessant aus!
Hallo,
klasse Artikel! Ja, Twitter ist bis jetzt in Deutschland nur ein kleiner Hype. Und der Nutzen als Recruiting-Tool ist zu Recht noch sehr umstritten.
Wir nutzen Twitter auch zum Experimentieren für das Recruitment. http://www.twitter.com/humancaps_jobs
Wir denken derzeit auch, dass wir eher Multiplikatoren als direkte Kandidaten über Twitter ansprechen können.
Doch wir alle sollten sehr offen mit diesen Kommunikationstools umgehen, denn nicht die Portale, Unternehmen oder Dienstleister bestimmen über welche Kanäle zukünftig kommuniziert wird, sondern die Kandidaten werden uns den Weg zeigen. Und dies bedeutet sehr häufig ein Umdenken in den Personalabteilungen. Es bleibt also spannend in der Zukunft.
Wir haben dazu auch im Newsletter PersonalIntern vor ein paar Wochen Artikel veröffentlicht. Hier nachzulesen:
http://www.humancaps.com/images/stories/pdf/Personalintern/ausgabe11_09.pdf
Ich wünsche allen einen sonnigen Tag.
Viele Grüße
Lutz Altmann
Inwieweit sich Twitter wirklich als reines Mittel zum Werben&Bewerben etablieren wird, das wird ja wohl die Zukunft zeigen. Sicherlich macht sich das in einigen Branchen ganz gut, in anderen Branchen wird dies wohl nicht so angenommen werden. Jedenfalls ist es wichtig, dass Twitter einen Mehrwert bietet. Natürlich ist es ganz witzig zu erfahren, wer wann wo grad Mittag isst, wie das Wetter grad ist und ob die Laune eher im Minus- oder Plusbereich anzusiedeln ist. Alles schön und gut, aber auf Dauer muss Twitter einfach mehr sein - sonst hat es sich bald ausgetwittert und schneller als man denkt findet sich ein anderes, neueres und besseres Tool zum Kommunizieren. Von daher finde ich den Service-Gedanken in Sachen Jobs und Stellenmarkt gar nicht so verkehrt. Aus diesem Grunde nutzen auch wir, das Bewerberportal JOBMIXER.com, das Gezwitschere um den Usern einfach immer neue Jobangebote zugänglich zu machen. Das spart Zeit und macht vieles einfacher. Schließlich treibt man sich ja nun nicht 24/7 auf Jobportalen herum und so läuft man immer mal Gefahr einfach ein paar gute Stellenangebote zu verpassen. http://twitter.com/neue_jobs
Mal sehen: vielleicht dreht sich der Personalprozess ja wirklich irgendwann einmal und irgendwann kann man sich dann auch per 140 Zeichen beim Personaler bewerben? Warten wir es ab. Das Netz zeigt es uns ja jeden Tag aufs Neue: nichts ist unmöglich!
LG
Kristin von JOBMIXER.com
Moinsen,
seit 4 Monaten recruwitter ich für die Deutsche Bahn. Ich begreife in diesem Zusammenhang den Konzern als Individuum und lasse ihn all das schreiben, was er so im Punkt Karriere für die Zielgruppe Hochschulabsolventen unternimmt. D.h. wann er auf Messen geht, wann er Inhouse Events veranstaltet etc. und nebenbei auch die aktuellen Praktika und Job-Angebote. Einer einheitlichen Darstellung oder zumindest einem gemeinsamen xy würde ich mich direkt anschließen. Derzeit versehe ich all meine Stellen mit TOP JOB oder TOP Praktikum.
Um das Ganze nun in meiner Zielgruppe bekannt zu machen, habe ich angefangen auf unseren Messen meinen Laptop mitzunehmen, um den Studenten direkt vor Ort den Mehrwert von twitter und http://www.twitter.com/dbkarriere näher zu bringen. Auf der letzten Messe (connecticum) war allerdings nur ein einziger Student dabei, der auf anhieb etwas mit dem Begriff twitter anfangen konnte.
VG Robin
[...] hatte mich ja kürzlich schonmal im Rahmen der Blogparade des Wollmilchsau-Blogs zum Thema Recruiting und Twitter geäußert. Es lässt mich nicht so richtig los und nun probiere ich alle möglichen Sachen aus. Unter anderem [...]
[...] wir Twitter nun als ernst zu nehmendes Recruiting-Instrument verwenden, bin ich vor kurzem auf die grandiose [...]
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Mira Giesen
23.04.2009, 09:26 Uhr
#1
Hallo Nadia,
vielleicht ist für Euch in diesem Zusammenhang ja dieser Link interessant. Wir haben und nämlich die Mühe gemacht, eine Linksammlung zu den Themen Job, Personal und Employer-Branding bei Twitter zusammenzustellen.
http://www.praktikumsfuehrer.de/2009/03/26/die-besten-twitter-links-zum-thema-job-personal-und-employer-branding/
Viele Grüße aus Leipzig,
Mira Giesen
PRAKTIKUMSFÜHRER.de