BAföG-Schulden, kein Geld für den Auslandsaufenthalt und dann auch noch Studiengebühren?

Geschrieben am 10.11.2008 um 08:04 Uhr von Barbara

 

Barbara wird uns in nächster Zeit als Werkstudentin im Bereich Personalentwicklung begleiten. Sie kümmert sich bei uns um Bildungsbedarfe, Trainings, Coachingprogramme und andere solche Dinge. Außerdem schreibt sie natürlich auch auf dem Blog zu Themen, die sie interessant findet.

Dass das Team von Absolventa kreativ und sehr rührig ist, haben sie uns eh schon bewiesen. Aber auch ihren neuesten Streich wollen wir Euch gern vorstellen, auch wenn die Idee mittlerweise durch viele andere Blogs gewandert ist: Ein demokratisches Stipendium in Höhe von bis zu  25.000 €. Dafür haben sie zuerst einmal einen gemeinnützigen Verein gegründet, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, „den akademischen Nachwuchs in Deutschland in seiner ganzen Vielfalt zu fördern”. Klingt ja erstmal nicht schlecht und ziemlich sozial. Finanziert wird das Projekt durch Spendengelder aus der Wirtschaft, also von Firmen, die bisher allerdings noch nicht bekannt gegeben wurden.

Wie soll das Ganze funktionieren? Ab dem 10. November (also HEUTE!) kann sich jeder über Absolventa um die Kohle bewerben. Nach einer ersten Vorauswahl durch Absolventa werden die potentiellen Stipendiumsanwärter um ein Motivationsschreiben gebeten, das später (auf Wunsch auch anonym) auf der Plattform online gestellt wird. Und Achtung, jetzt kommt’s: Nun stimmen alle Absolventa-Nutzer demokratisch darüber ab, welcher der Kandidaten das Stipendium bekommt. Es heißt ja nicht umsonst „demokratisches Stipendium”. Jeder Absolventa-Nutzer hat dafür eine Stimme zur Verfügung. So jedenfalls lautet die Theorie…

Wie jedoch auch schon Eva zu Recht angemerkt hat, birgt dies wohl doch einige Gefahren: Der eine Nutzer hat vielleicht mehr Freunde als der andere, wieder ein anderer will besonders schlau sein und bastelt sich sein persönliches „Wahlhelfer-Programm” selbst. Auch wenn Pascal von Absolventa sagt, dass alle E-Mailadressen auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden und die Laufzeit so lange sein soll, dass der Freundeskreis nicht ins Gewicht fällt, aber wir haben da ehrlich gesagt unsere Zweifel. Deshalb schließen wir uns Evas Idee an, eine Kommission zu berufen, die darüber entscheidet, wem das Leben erleichtert wird.

Ich frage mich jetzt: Wer wird sich denn da bewerben? Es ist auf der einen Seite super, keine Einschränkungen zu haben und von angehenden Studenten bis hin zu Absolventen allen die Möglichkeit auf das Stipendium zu bieten. Allerdings wird ein Portal wie Absolventa ja nun doch eher von Schon-Studierenden beziehungsweise Absolventen genutzt. Wie kann man aber junge Menschen, die theoretisch gerne studieren würden, es sich aber nicht leisten können, auf das Angebot aufmerksam machen? Zu hoffen, dass sich schon die Richtigen bewerben werden, die das Geld auch brauchen können, reicht hier unserer Meinung nach nicht aus. Schön und gut, wenn ein ehemaliger Student auf einen Schlag seine BAföG-Schulden begleichen kann. Aber jemandem ein Studium überhaupt erst zu ermöglichen, ist einfach noch mal ein größerer Schritt und eine sinnvollere Anlage des Geldes aus der Wirtschaft!

Außerdem sollten die Projekte oder Ziele, die mit dem Geld verwirklicht werden sollen, wirklich klar umrissen sein. Ich fände ja eine Art „Nachbetreuung” spannend, um zu sehen, was der Gewinner mit dem Geld anstellt. Bei einem Auslandsstudium oder eben dem Beginn und der Auswahl eines Studiums vielleicht schon eher. Nachzudenken wäre auch über eine Staffelung des Betrags, um erstmal zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Naja, vielleicht haben sie Jungs darüber ja auch schon Gedanken gemacht und werden ihre Vorauswahl dahingehend prüfen?!

Alles in Allem finden wir die Idee prima und zweifeln nicht an ihrem Erfolg! Auch wenn hier nicht ganz uneingennützig gehandelt wird (jaja, sorry, aber der gewiefte Marketingexperte erkennt natürlich sofort wo der Hase langläuft ;) ), so ist es dennoch eine super Chance für angehende oder ehemalige Studierende, aber natürlich nur, wenn das Geld letzten Endes auch in die richtigen Hände gelangt!

Wer der Meinung ist, dass seine Hände die richtigen sind, findet hier noch mal alle Informationen.

 

Themenbereich(e): Ausbildung, Berufseinstieg, Job&Karriere

 

4 Kommentare zu „BAföG-Schulden, kein Geld für den Auslandsaufenthalt und dann auch noch Studiengebühren?”

Brigitte Ecker BA
09.07.2009, 16:38 Uhr

#1

 

Ihr habt nicht Unrecht, gewonnen haben die, die Wahlparties ausrichteten, gute Verbindung zu Zeitungen hatten (gaben Interwievs) und “kreative” Bewerbungen schrieben. Die ich aber nicht öffnen konnte wie jeder andere auch, der kein Hochleistungsgerät zur Verfügung hat. Keiner, den ich unterstützte (immer mit 5 Punkten) bekam ein Stipendium. Und die brauchten alle dringend Geld. Die fachlich besten Bewerber waren es auch nicht unbedingt. Und: Wer sich Wahlparties leisten kann, braucht kein Stip. Und von “sozialem Engagement” kann ich nichts feststellen, da habe ich durch die Wahl echt Bedürftiger mit den vollen fünf Punkten mehr getan.

Das alles ist auf der Website nachzulesen.

Dafür wurden eher Extrawürste finanziert, wer ums Überleben rauft, ging leer aus. Gerade die, die lächerliche Beträge wünschten, gingen leer aus. Die Summen waren oft vierstellig.

Absolventa ist vorzuwerfen, dass es nur 60 % der ausgelobten Summe, immerhin geht es um 10.000 Euro und zahlreiche Stipendien, ausgezahlt hat. Dass sich viele davon leiten lassen, ob jemand Wahlparties finanzieren kann, und nicht, wie dringend eineR das Geld braucht, ist traurig.


And the winner is… : Bewerberblog.de
09.07.2009, 17:19 Uhr

#2

 

[...] BAföG-Schulden, kein Geld für den Auslandsaufenthalt und dann auch noch Studiengebühren? - Artikel vom 10. November 2008 [...]


Daniela Krüger
09.07.2009, 17:31 Uhr

#3

 

Hallo Brigitte, ich kann deinen Unmut gut nachvollziehen. Ich habe mir die Profile angesehen und bin auch manches Mal überrascht gewesen, wer gewonnen hat… aber genau das ist der Unterschied zwischen demokratisch und sozial: Wer die Mehrheit hat, gewinnt - egal, warum oder ob es gerechtfertigt ist. Wäre es sozial gewesen, hätte wieder eine Jury entscheiden müssen, ob jemand das Stipendium verdient hat oder nicht… Aber dann wäre der Sinn des demokratischen Stipendiums, wie es Absolventa wollte, ja hinfällig!


Brigitte Ecker BA
10.07.2009, 07:51 Uhr

#4

 

Daniela, ich muss Dir Recht geben. Leider bedeutet Demokratie, dass primär die gewählt werden, die Wahlzuckerln hergeben können. Leider zählen auch bei vielen WählerInnen solche Dinge und nicht die Leistung. Aber das ist nicht nur bei Stipendien so…


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