Der PC als pädagogische Bereicherung
Geschrieben am 25.09.2008 um 08:25 Uhr von Isa Schmiedgen
Wie bekommt man schlaue Kinder? Immer mehr Kinder bleiben ein Einzelkind und sind damit erheblichem Druck ausgesetzt. Die Eltern möchten ein möglichst kluges und intelligentes Exemplar “generieren” und ein Kind diese Hoffnung natürlich auch ungern enttäuschen. Nun hat eine Studie ergeben, dass der PC und das Internet zwar nicht unabdingbar aber doch sehr förderlich ist, um sein Kind zu fördern. Schließlich trat zu Tage: in der Schule schneiden 67 Prozent in Mathematik, 69 Prozent in Deutsch und 42 Prozent in Fremdsprachen mit „sehr gut“ oder „gut“ ab, wohingegen Wenig- und Garnicht-Nutzer des PC “nur” zu 55 Prozent in Mathematik, zu 53 Prozent in Deutsch und zu 35 Prozent in Fremdsprachen zu einem solchen Ergebnis kommen.
Vergessen wir einmal kurz, dass die Studie von Fujitsu Siemens Computers und der Initiative D 21 durchgeführt wurde (was den Gedanken einer “unabhängigen Studie” eher ad absurdum führt): Es erscheint tatsächlich logisch zu sein.
Am deutlichsten ist hier wohl der Gewinn, dass Kinder mit Hilfe des Internets lernen, sich selbst Wissen zu erschließen. Aus einer Fülle von Informationen filtern sie für eine Projektarbeit Wesentliches heraus und lernen, so hofft man, Mechanismen, die Informationen auch auf Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Allerdings zeigt sich auch hier, dass der Lehrling in der Regel nur so gut sein kann wie sein Mentor: Wird ein Schüler nicht geschult in den sogenannten Kulturtechniken, dann nützt auch der PC nichts, denn kritisches Hinterfragen bringt einem die Maschine per se nicht bei. Da sind vor allem die Eltern gefordert, dann auch die Lehrer.
Wenn Schüler online die Tageszeitung lesen, durch die “ich mir meine Meinung bilden soll”, dann kommt da auch nicht mehr heraus als vorher. Inhalte sollten also gezielt ausgewählt, grenzwertige Websites sowieso gesperrt werden. PC-Games alle zu verteufeln ist ebenso unsinnig wie das Wegschauen, wenn mein 14-Jähriger Sprössling bis Nachts mit Ego-Shootern um sich ballert. Da gibt es solche und solche. Ebenso nutzen sollte man gute Lernsoftware. Den Kiddies zu erlauben, am PC zu lernen kann sich als äußerst gute Motivation erweisen, ein Vorteil gegenüber vielen Schulbüchern, die schon allein ob ihres optischen Auftretens abschrecken. Man brabbelt auch nicht stupide Formeln, Jahreszahlen und ander Fakten in sich hinein, sondern Lernen kann interaktiv gestaltet werden.
Immerhin lesen die Kids auch wieder, wenn auch am Monitor, und lernen den Umgang mit dem Medium Internet, dass wesentlich zur Wissenbereicherung beitragen kann. Dass dies die sprachliche Kompetenz erhöhen kann, ist eines der Argumente, auch wenn ein Artikel bei Wikipedia nicht an einen “Hamlet” von Shakespeare heran reicht und der Unterschied zwischen sprachlicher Kompetenz und Poesie spätestens hier deutlich wird. Aber seien wir ehrlich: Wieviele Schüler sparten sich bisher auch heimlich das Lesen eines Stückes Weltliteratur und griffen zu einer Zusammenfassung?
Der PC als Bereicherung im pädagogischen Bereich ist also durchaus ein sinnvolles Instrument, auch wenn ein kritischer Umgang wie mit allen anderen Medien notwendig ist. Es ist weder Schwarz noch Weiß von Haus aus, sondern nimmt die Farbe an, die man ihm gibt. Und mit dem Blick auf eine zukünftig immer stärker technisch ausgerichtet Welt sollte man an den Schulen und zu Hause den Kindern den Weg erleichtern. Dabei sind weniger die guten Noten ein Maßstab, sondern vielmehr, dass es den Kids ermöglicht wird, in diese Welt hinein zu wachsen. Und nahezu Niemand wird um den PC als Arbeitsinstrument herum kommen.
Und um am Ende nicht zu vergessen: Blogs als eine neue Form des Laienjournalismus regen an, sich kritisch zu äußern und fördern damit differenziertes Denken. Und ein Eigenlob sei an dieser Stelle auch gestattet: Das Bewerberblog kann, wie viele andere Blogs auch, von sich behaupten, wissenswerte Inhalte zu vermitteln, die einen Mehrwert darstellen und wir glauben damit, keineswegs am Untergang des Abendlandes Anteil zu haben.
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Ein Kommentar zu „Der PC als pädagogische Bereicherung”
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marcus krüger
25.09.2008, 10:20 Uhr
#1
Zur Studie:
Habe die Studie nicht gelesen. Aus eurem Artikel hier und beim Fokus dort lese ich allerdings wieder die Vermischung von Zusammenhang und Wirkung heraus. Das Design der Studie lässt keine Aussage zu, ob Schüler DURCH den PC bessere Leistungen zeigen. Die Studie zeigt, dass die Schüler, die unter anderem auch einen Zugang zu einem PC haben, bessere Leistungen zeigen als Schüler, denen dieser Zugang verwehrt ist. Da andere Studie zeigen, dass es in Deutschland ein sehr schiefe Verteilung von PC auf private Haushalte gibt, denke ich, dass die Leistungen der Schüler leider mal wieder besser durch ihren sozio-ökonomischen Status zu erklären sind. Eine interessante Nachuntersuchung (und da kann das Engagement von Fujitsu sehr hilfreich sein) wäre, die Schüler ohne PCs mit diesen auszustatten und dann in einem Jahr (ohne eine andere Art der Intervention) noch mal zu testen. Dann habe ich 2 Messpunkte und kann mir mehr Aussagen über Wirkungen erlauben.
Über das Thema:
Stimme ansonsten vollkommen überein, den PC als ein Werkzeug zu begreifen. Wie andere Werkzeuge (z.B. Schießpulver, Impfstoffe, Kernspaltung) kann ich sie nicht als Werkzeuge per se verdammen oder bejubeln. Die Vermittlung des Umgangs mit diesem Werkzeug ist eine Technik, die jeder Schüler an jeder Schule lernen muss. Sei es zur puren Informationsbeschaffung oder zur Generierung von neuem Wissen.