Sag doch mal was auf Russisch

Geschrieben am 05.03.2013 um 08:31 Uhr von Anna

 

„Woher kommen Sie? Wo liegt diese Stadt? Im Kaukasus? Wo ist denn das? Liegt das in Sibirien?“ Diese Fragen sind einerseits immer ganz gute Aufhänger für ein Gespräch und lockern jede steife und unentspannte Situation sehr schnell auf. Andererseits kann es schnell passieren, dass sie anfangen zu nerven. Man kommt sich mit der Zeit wie ein Exot vor, wie ein Paradiesvogel, und bekommt das Gefühl, man wäre anders. „Sagen Sie doch mal was auf Russisch!“ ist übrigens mein Lieblingssatz. Man wird empfindlicher und reizbar, obwohl man eigentlich wissen müsste, dass es meistens gar nicht so gemeint ist, dass es nur ein Zeichen von Interesse und Neugier ist.

Wie verhält man sich also bei solchen Fragen? Fängt man an, den Gesprächspartner über alle geografischen Daten und sprachlichen Besonderheiten des Geburtslandes aufzuklären oder versucht man das Thema geschickt zu wechseln bevor es ausartet und man sich im schlimmsten Falle anhören muss, welche Wörter beim Gesprächspartner aus dem Russischunterricht noch hängen geblieben sind oder wie viel Prozent ein guter Wodka haben muss?

Ich habe mir inzwischen einen kleinen Vortrag erarbeitet, den ich dann schnell abrufen kann, da man ja mit solchen Fragen immer rechnen muss. Man will dem Gegenüber ja auch nicht auf den Schlips treten und vielleicht interessiert es ihn wirklich, woher man kommt und was einen in dieses Land verschlagen hat. Dies wäre die eine Seite der Medaille.

Nicht so schön wird es, wenn man nur darauf reduziert wird oder im schlimmsten Falle den Eindruck bekommt, dass die eigene Biografie aufgrund von Vorurteilen nicht so gut ankommt. Leider kommt es ab und zu auch vor, dass man sich Kommentare wie „Versteh das nicht falsch, gegen dich haben wir nichts, du arbeitest ja…nicht so wie die anderen Ausländer“ oder „Darf ich vorstellen, das ist unsere neue Russin!“ anhören muss. Muss man das wirklich? Jeder würde diese Frage sofort verneinen. In der Realität ist es leider oft anders. Ich hatte Glück und habe bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass hinter so dummen Kommentaren dementsprechende Leute gesteckt haben, die von keiner großen Bedeutung für meine Zukunft waren. Aber was macht man, wenn man keine andere Wahl hat? Wenn man von diesem Job abhängig ist? Gute Miene zum bösen Spiel oder doch die rote Karte?

 

Themenbereich(e): In eigener Sache

 

3 Kommentare zu „Sag doch mal was auf Russisch”

Moni
05.03.2013, 14:26 Uhr

#1

 

Schade, dass du solche Erfahrungen machen musstest. Andererseits ist es auch schade, dass du von Fragen nach deiner Herkunft bzw. kleinen Anekdoten, die aus der Schule haengen geblieben sind, nervig findest.

Als Auslaender im Ausland finde ich sind solche Erlebnisse eher ein Eisbrecher als etwas nerviges. Ich habe schon oft geschmunzelt, wenn mit ein ausgewachsener Australier voller Stolz auf Deutsch erklaert hat, dass er 12 Jahre alt und seine Lieblingsfarbe Blau ist. Auf der anderen Seite habe ich meine franzoesischen Kollegen mit meinen noch vorhanden Sprachkenntnissen erheitert. Auch dass ich als ze German referenziert werde nehme ich keinem krumm. Bei internationalen Teams, speziell wenn sie auf Laender aufgeteilt sind, kommt das oft vor.

Also: nicht so genervt und verbissen sein, sondern schmunzeln und locker nehmen. Und wenn es nicht anders geht – Job wechseln.


Reinhard
07.03.2013, 09:50 Uhr

#2

 

Musste gerade schmunzeln und mich an Kollegen im Westerwald erinnern. Für die war es immer ein großer Spaß mich zu bitten: “Sag doch mal was auf Sächsisch!” Das tat sooo weh! Denn ich bin Thüringer!!!


David
12.03.2013, 16:28 Uhr

#3

 

Ja ist manchmal schwierig damit umzugehen. Habe das in einer weniger starken Form erlebt (bin in der DDR geboren) nur alleine das schon (obwohl es heute genauso zu Deutschland zählt) sorgt immer wieder für Gelächter sollten das ein paar missgünstige Zeitgenossen herausfinden. Ich habe dies meist mit Humor genommen, dies hat aber nur deshalb geklappt, weil ich mich in einen sehr informellen Umfeld befunden habe. Im beruflichen Bereich war ich damit glücklicherweise noch nicht konfrontiert. Als “wirklicher” Ausländer ist es dort wie du auch schilderst sicherlich erheblich komplizierter…


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