Ich hab‘s getan.

Geschrieben am 07.01.2013 um 08:32 Uhr von Angelika

 

Gestern habe ich das erste Mal gekündigt. Einer Mitbewohnerin. Jetzt weiß ich, wie schwierig es für Chefs sein muss, sich erstens zu dieser Entscheidung durchzuringen und zweitens das Ganze dann auch durchzuziehen.

Wahrscheinlich sagt ihr jetzt  “Ja, aber ein Job ist doch etwas ganz anderes…” Naja, nicht ganz. Es ging hier nämlich um eine Art Tausch. Statt Miete zu bezahlen, half uns diese Mitbewohnerin aus einem fernen Land im Haushalt. Weil sie kein Geld hat und die Idee auch eine gute ist. Aber manchmal klappt‘s halt nicht, wie bei uns eben auch. Und das kam so:

Es fing schon chaotisch an. Anstatt an einem September-Freitag bei uns einzutrudeln, wie lange vorher vereinbart, klingelte bereits am September-Mittwoch um 21.10 Uhr mein Telefon. Eine weibliche Stimme in indischem Englisch sagte: „Ich setze mich jetzt in den Zug und komme um kurz nach 1 Uhr am Bahnhof an. Kannst Du mich abholen?“ Konnte ich nicht ohne Auto. Schon gar nicht mitten in der Nacht mit einem schlafenden Kleinkind zu Hause. Um kurz nach 2 Uhr brachte dann ein Taxi ein schweres Mädchen und zwei schwere Koffer zu uns. Unser Haus roch wenig später nach einer rajastanischen Großküche. Ich zeigte der Köchin, was ein Staubsauger ist und wie man den Stecker trotz Kindersicherung in die Steckdose bekommt. Was eine Bügelmaschine ist und wie man eine Waschmaschine benutzt. Ich erklärte ihr, dass wir keine extra Putzfrau für das Bad haben und sie ihr eigenes Bad leider selber säubern müsse. Ich ermahnte sie,  Jobinterviews nicht zweimal zu verschieben und es bei der gleichen Stelle dann noch einmal probieren zu wollen. Ich versuchte, ihr zu erklären, dass abgeschnittene Porree-Wurzeln nicht auf den Schreibtisch und Pudelmützen nicht ins Bücherregal gehören. Es gab viele Dinge… Ich frage mich, ob es ein Fehler war, diesen Versuch zu unternehmen und ich sage Euch: Nein. Wir haben alle viel gelernt . Schön war es ja, wenn sie bei uns am Tisch saß,  wir zusammen gegessen haben und über Gott und die Welt sprachen. Wir haben gemütliche Zeiten miteinander verbracht, nur für die ursprünglich anvisierte Zeit von zwei gemeinsamen Jahren reicht das eben nicht. Es muss auch ein wirklicher Energieaustausch sein. Eine Person, die der Familie so nahe ist, muss sich aktiv einbringen. Und wenn es Regeln gibt, die nicht eingehalten werden, dann muss man eben konsequent sein.

Also habe ich gestern kurz und schmerzvoll mitgeteilt, dass das mit uns nicht weitergehen kann. Schwierig, wenn einem der Andere dann mit Tränen in den Augen und voller Unverständnis gegenübersitzt. Elend fühlte sich das für mich an. Außer ins Kaminfeuer zu starren konnte ich anschließend nichts Sinnvolles mehr tun. Mittlerweile aber macht sich mehr und mehr Erleichterung in mir breit und letztendlich wird ein Mehr an Erfahrungen ihr nur von Nutzen sein. Sie wird das Gelernte mit nach Hause nehmen und hoffentlich auch ein wenig Ordnungs- und Sauberkeitssinn.

 

Themenbereich(e): Allgemein, Auslandsaufenthalt

 

2 Kommentare zu „Ich hab‘s getan.”

Mo
07.01.2013, 09:57 Uhr

#1

 

Das erste Mal ist immer das schwerste. Zumindest war es bei mir so. Mit der Zeit wird es meiner Erfahrung nach nicht unbedingt leichter, aber man arrangiert sich besser mit der Situation und lernt damit umzugehen. Wichtig ist mir immer die Leute nicht im Unklaren zu lassen woran es lag/liegt und den Prozess aufzuzeigen wie es letztendlich zu der Entscheidung kam.

Allerdings halte ich deine private Kündigung für einiges schwerer als eine berufliche.


Kai
07.01.2013, 18:13 Uhr

#2

 

Im Job ist das mit dem Gehalt abgegolten. Wozu kommen die Chefs mehr Geld als die gekündigten Menschen?


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