Das Gehalt ist für mich ein Hygienefaktor

Geschrieben am 10.01.2013 um 08:09 Uhr von Daniela

 

Kennt Ihr die Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg? Nein? – Nicht schlimm. Ist ein bisschen Theoriekram, aber an sich total gut nachvollziehbar. Ganz allgemein gesprochen geht es dabei um die Motivation und die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitern. Herzberg unterscheidet dabei in Motivatoren und Hygienefaktoren. Motivatoren sind zum Beispiel Anerkennung im Job, interessante Aufgaben, Karrierechancen, die über Zufriedenheit oder keine Zufriedenheit ausgedrückt werden. Hygienefaktoren sind dagegen das Gehalt, Sicherheit im Job, das Privatleben, die sich mittels Unzufriedenheit – keine Unzufriedenheit messen lassen. Wobei Unzufriedenheit und keine Zufriedenheit nicht dasselbe sind… So viel zur grauen Theorie! Doch was heißt das jetzt?

Es heißt im Klartext nichts anderes als das Sprichwort „Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt!“ Und so ähnlich ist es ja mit unserem Job auch, den wir tagtäglich verrichten. Viele Studien belegen ja auch, dass sich Menschen in ihrem Job vor allem dann wohlfühlen, wenn die Aufgaben Spaß machen, wenn das Team gut zusammenarbeitet, wenn sie von ihren Chefs auch mal gelobt werden und Feedback erhalten. Das Gehalt spielt dabei meist nicht die erste Geige. Und doch: Wenn es zu niedrig ausfällt, hat es negative Auswirkungen auf die Zufriedenheit.

Wer zu wenig verdient, ist unzufrieden. Da können auch die Motivatoren recht wenig dagegen halten – auch wenn die Arbeit Spaß macht. Andersherum verhält es sich genauso: Wenn das Teamklima leidet, der Chef nie da ist, die Aufgaben nicht passen oder die Karrierechancen gen Null tendieren, kann auch ein üppiges Gehalt nicht viel aufwiegen.

Übrigens merke ich mir die Definition eines Hygienefaktors immer so: Wenn meine Wohnung dreckig ist (ich sag jetzt mal bewusst nicht „unhygiensich“, so schlimm ist es wirklich nicht), stört mich das ganz schön gewaltig… ich bin unzufrieden. Ist sie dagegen aufgeräumt und sauber (in dem Fall meinetwegen gern auch „hygienisch“), dann bin ich definitiv nicht unzufrieden.

Aber diese Ansicht, welche Faktoren nun genau Motivatoren und welche Hygienefaktoren sind, teilen vermutlich nicht alle. Welche Kriterien entscheiden denn bei Euch über Unzufriedenheit und Zufriedenheit im Job?

 

Themenbereich(e): Job&Karriere

 

5 Kommentare zu „Das Gehalt ist für mich ein Hygienefaktor”

flyke
10.01.2013, 10:23 Uhr

#1

 

Leider wurde die Theorie von Herzberg nicht komplett verstanden:

Es ist so: Wenn ein Hygienefaktor, z.B. das Einkommen nicht stimmt, dann läuft jeder Motivator ins Leere. Wenn also das Einkommen zu gering ist, kann ein Vorgesetzter seinen Mitarbeitern so viele verbale Streicheleinheiten und Anerkennung geben wie er will – seine Mitarbeiter werden sich dadurch nicht motivieren lassen.

Der Grund dafür ist ganz einfach: Mitarbeiter, die stark unterdurchschnittlich verdienen, haben ganz andere Sorgen: Sie müssen ständig darüber nachdenken, wie sie ihre Familie durch den Monat kriegen, jeden Cent zweimal umdrehen, haben existentielle Probleme. Diese Sorgen können durch Motivatoren nicht aus der Welt geschafft werden. Darum verpuffen hier Motivatoren wirkungslos.

Ein Hygienefaktor ist eine Grundvoraussetzung, dass ein Motivator greifen kann. Zuerst muss Hygiene geschaffen werden, dann können Motivatoren greifen. Das Einkommen muss zumindest durchschnittlich bemessen sein, dass Arbeitnehmer nicht ständig knapsen müssen und Existenzprobleme haben. Dann erst können Motivatoren ihre Wirkung entfalten.

Um nochmal den Vergleich mit einer Wohnung aufzugreifen: Wenn eine Wohnung ein verdreckter, muffliger Sauhaufen mit Staubwalzen und Katzenkot in den Ecken ist und es aus der Küche nach schimmligen Essensresten riecht, nützt es nichts, wenn ich ein paar Schöne Teller und eine Kerze auf den Tisch stelle, damit es wohnlich wird. Ich muss zuerst die Wohnung hygienisch halten, dass Besucher keine Ekelgefühle bekommen, wenn sie reinkommen. Denn Besucher, die sich ekeln werden den schön gedeckten Tisch garnicht wahrnehmen, weil sie ganz andere Probleme haben: Sie ekeln sich und haben Angst, sich eine Krankheit zu holen. Erst wenn die Wohnung in einem hyginischen Zustand ist, wird ein Besucher den schön gedeckten Tisch wahrnehmen und sich trauen ohne Gesundheitsgefahr von den Tellern zu essen.

Fazit: Noch so viele Motivatoren können einen unzureichenden Hygienefaktor nicht ausgleichen. Beschäftigte, die darben müssen sind Benefits, Firmenhandy, Lob und Anerkennung herzlich egal, weil sie zuerst Existenzprobleme haben.


Daniela
10.01.2013, 12:57 Uhr

#2

 

Hallo Flyke, sehr guter Kommentar… ich kann dir da nur zustimmen! Das ist eine schöne Ergänzung. Vor allem die Darstellung mit der Wohnung fand ich noch mal richtig gut.
Dank meines Studiums durfte ich mich auch umfassend mit der Herzberg-Theorie beschäftigen und meine auch, sie verstanden zu haben. Ich bin zwar nicht so sehr darauf eingegangen, dass ein Hygienefaktor, der einen nicht unzufrieden macht (saubere Wohnung), eine notwendige Bedingung für einen Motivator ist, aber das ist an der Stelle auch nicht so wichtig. Die Quintessenz ist die gleiche…
Dein Kommentar basiert auf der Annahme, dass ein angemessenes Gehalt eine wichtige Grundvoraussetzung ist, um eine bestimmte Arbeit zu verrichten. Das trifft sicher auf die allermeisten Beschäftigungsverhältnisse zu. Aber was ist mit ehrenamtlichem Engagement oder auch Azubis und Studenten? Bei all denen ist das Gehalt so gering, dass es sich nicht lohnen würde, diese Tätigkeit auszuüben. Hier spielen andere Faktoren wie Hilfe anbieten/ leisten und Bildung als das Gehalt eine wichtigere Rolle.


TomTom
10.01.2013, 16:14 Uhr

#3

 

Ich glaube man will grundsätzlich immer eine Steigerung sehen, zumindest geht es mir so. Es motiviert und es zeigt, dass man für das Unternehmen wichtiger wird. Ich mein gerade jetzt in Januar/Februar steht be mir persönlich auch eine Gehaltsverhandlung an und ich finde wenn diese dann genehmigt wird, dann kann das Jahr schon mal viel positiver verlaufen… ich mein jeder zusätzlich Euro in der Tasche ist ein Euro mehr… Vergleiche ich die Gehälter in meinem Bereich wie z.B. auf http://www.gehalt.de dann frage ich mich, wie die anderen in meinem Beruf mit 1.200 brutto zufrieden sein können. Evtl. sind die jung, leben in einem Bundesland, welches nicht so viele Gehälter grundsätzlich zahlen kann und evtl. ist es eine kleinere Firma. Fakt ist aber doch, dass ich mit 1.200 niemals zufrieden sein könnte und da sind wir eben beim Thema. Geld spielt schon eine entscheidende Rolle. Klar ist aber auch, dass wenn ich auch 5.000 Euro veridenen könnte, dafür aber jedem in den Arsch kriechen müsste und 15 Std. im Büro verbringen müsste, ich natürlich auch NICHT zufrieden wäre…. das Gleichgewicht muss schon stimmen


michelle
14.01.2013, 14:30 Uhr

#4

 

Also meiner Meinung nach ist Gehalt sowohl ein Hygienefaktor als auch ein Motivator. Je nach Höhe des Gehaltes macht es mich nicht unzufrieden oder aber zufrieden. Z.B. ein relativ geringes, aber angemessenes Gehalt ist ok, ich bin also nicht unzufrieden (Hygienefaktor); ein relativ hohes Gehalt kann mich aber zufrieden machen, und ist somit ein Motivator für mich.


Ina
15.01.2013, 17:19 Uhr

#5

 

…nun mann könnte ja auch glauben, wenn man einen Hund in den Hintern tritt, dass er dann gerade aus läuft. Ich habe schon Hunde gesehen, die zugebissen haben oder den Schwanz einziehen und sich hinterm Herrchen verstecken. Meine alte Tante lebte mit Ihren fünf Katzen in einer völlig verdreckten Wohnung. Unsere Eltern mochten nicht, wenn wir dort spielten. Ich habe meine Tante als glückliche Frau in Erinnerung und wir liebten diesen Ort! Herzbergs Theorie vernachlässigt, dass wir in Systemen leben, in denen es wesentlich mehr Faktoren gibt und wir uns in diesen wohlfühlen oder nicht. Der Mensch entscheidet selbst, was ihn motiviert und was er für die “Hygiene” braucht. Die Kunst ist die Angemessenheit von “Motivatoren und Hygienefaktoren”, um die Selbstbestimmtheit zu erlangen (oberste Stufe bei Maslow)


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