„Nach sorgfältiger Prüfung Ihrer Bewerbungsunterlagen müssen wir Ihnen leider mitteilen,…“

Geschrieben am 17.01.2013 um 08:25 Uhr von Dörte

 

So liest sich in der Regel die Antwort auf eine Bewerbung, wie man sie aus Kandidatensicht nicht bekommen möchte. Eine Absage. Schon wieder. Vielen unter euch dürfte dieser Satz nur allzu bekannt vorkommen, oder? Und wie viele von euch haben sich dabei gelegentlich schon einmal gedacht, dass sie sich dafür gern mal revanchieren würden?

Seit 2005 wird genau diese Möglichkeit von der Agentur für Absagen (als unverkennbares Äquivalent zur Agentur für Arbeit) und den dort tätigen „diplomierten Chefabsagern“ angeboten. Interessenten können über die Agentur kostenlos Absagen anstelle von Bewerbungen verschicken, entweder als bereits bestehende Standardformulierungen oder in Form von Eigenkreationen, sowie zu ihren selbst verfassten Absageschreiben entsprechendes Feedback erhalten. Als Grundlage für diese Schreiben dienen tatsächlich geschaltete Stellenanzeigen, ganz egal ob von Unternehmen, Behörden oder NGOs.

Wer sich nicht vorstellen kann, wie so ein Absageschreiben ausschaut, hier einige beispielhafte Formulierungen:

„Sehr geehrte/r Frau/Herr, vielen Dank für die Ausschreibung der oben genannten Stelle.“

„Leider kann ich Ihr Angebot nicht berücksichtigen, […] Ich versichere Ihnen, dass meine Entscheidung keine Abwertung Ihrer Person oder Ihres Unternehmens bedeutet.“

„Ich wünsche Ihnen und Ihrer Firma für die Zukunft alles Gute.“

Ich persönlich finde dieses Angebot großartig, wenngleich die Motive diesen Service in Anspruch zu nehmen gewiss sehr unterschiedlich sein können. Mir fällt da der vor Wut schnaubende Bewerber ein, der trotz guter Qualifikation bereits die 50. Absage erhält, die zu allem Überfluss auch noch einen ähnlichen Wortlaut aufweisen, hübsch verpackt mit den immer gleichen unpersönlichen Standardfloskeln. Oder auch der hochmotivierte Kandidat, der eine äußerst interessante Stelle findet, deren Anforderungen er zudem voll erfüllen kann. Der Haken: Durch eine erste Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Ansprechpartner erfährt der Interessent, dass die Vergütung so miserabel ist, dass er sich den Job aus rein existenziellen Gesichtspunkten nicht leisten kann.

Und an dieser Stelle würde mich nun sehr interessieren, ob es unter euch jemanden gibt, der bereits als Antwort auf ein ausgeschriebenes Stellengesuch ein Absageschreiben verschickt hat? Könntet ihr euch überhaupt vorstellen, solch einen Schritt zu gehen?

 

Themenbereich(e): Bewerbung, Job&Karriere

 

4 Kommentare zu „„Nach sorgfältiger Prüfung Ihrer Bewerbungsunterlagen müssen wir Ihnen leider mitteilen,…“”

Bärbel
17.01.2013, 13:30 Uhr

#1

 

Ich suche seit 2008 und bekomme nur Absagen, trotz sehr guter Zeugnisse, es liegt an der Kinderzahl, Arbeitgeber sind in Deutschland nicht willig Mütter, die mehr als 1,4 Kinder haben zu beschäftigen – die sind ja dauernd krank..usw -

Seit einiger Zeit veröffentliche ich auf meinem Blog Firmen, welche sich bei mir besonders “beliebt” gemcht haben.

Unsitte ist es z.B. keine Eingangsnachrichten mehr zu verschicken, Absagen auch nur ca. 20% der rest der “Arbeitgeber” antwortet nicht, nie, selbst auf mehrfaches Nachfragen nicht mehr.

Arbeitgeber haben keinen Anstand mehr.

Letztes Jahr hat man mich bei einem Bewerbungsgespräch ziemlich unmöglich behandelt, die Firma bekam von mir eine Absage per Email in bcc der Vorstand.

Es gab keine Antwort, aber an den folgenden Stellenanzeigen bei der Arbeitsagentur konnte man sehen, das genau meine bemängelten Punkte geändert waren – wenigstens etwas!


Helga
17.01.2013, 22:39 Uhr

#2

 

Ich bin freiberuflich tätig. Ja, ich habe schon Projekte abgesagt, obwohl mich die Firma wollte, mein Profil super passte, aber die Bezahlung nicht stimmte. Nach meiner Kalkulation mit Sozialabgaben, Reisekosten etc. hätte ich mit einem Minus da gestanden. Ich hätte also was zulegen müssen, um in dem Projekt zu arbeiten. Mein potentieller Kunde, eine Bodyleasing-Firma, hatte überhaupt kein Verständnis für diese Argumentation. Ich solle doch froh sein, dass sie mich dann ein so renommiertes Unternehmen wie ihren Kunden vermitteln würden. Das Problem ist bei Freiberuflern häufig, dass sie 2 – 4 mal weiter vermittelt werden, also der Sub-Sub-Sub-Unternehmer sind, der dann mit einem Mini-Tagessatz abgespeist werden soll, während die Zwischenhändler jeweils gut verdienen. Da muss man aufpassen, sonst sind gut qualifizierte Freiberufler als letzte der Kette schnell völlig unterbezahlt.


Dörte
18.01.2013, 16:38 Uhr

#3

 

Danke für eure hilfreichen Ergänzungen zum Thema!

@Bärbel: Magst du uns die Adresse deines Blogs mitteilen?


Anja
28.01.2013, 14:30 Uhr

#4

 

Ich kann mich den Ausführungen von Bärbel nur anschließen. Es ist eine Frechheit von Unternehmen, sich nicht zu melden. Vom Bewerber wird verlangt sich ausführlich mit dem Unternehmen und der Stellenbeschreibung auseinanderzusetzen. Ist man bereit viel Zeit zun investieren, haben Unternehmen nicht einmal den Anstand sich zu melden. Absagen etc. zu versenden. Das Gleichgewicht unserer Gesellschaft ist nicht mehr ausgewogen. Die Adresse deines Blogs @bärbel würde mich auch interessieren. Da könnten mit Sicherheit einige Firmen dazukommen.


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