Fachkräftemangel gibt es tatsächlich

Geschrieben am 08.11.2012 um 08:03 Uhr von Claudi

 

Eigentlich kann ich dieses Wort nicht mehr hören. Alle Welt meckert und jammert, dass es keine vernünftigen Leute gibt, die arbeiten können oder wollen. Aber möchte man (beispielsweise als Dienstleister) helfen, die Probleme gutes Personal zu finden, einzudämmen, ist plötzlich alles gar nicht mehr so dringend und tragisch. “Ach ja, wir suchen schon, aber eigentlich können wir das allein.” Und das merkwürdige ist dann, dass viele es tatsächlich allein können. Da kann es mit dem Mangel an guten Arbeitskräften nicht so schlimm sein. Oder doch?

Das kommt wahrscheinlich ein wenig auf die Branche und das Land an. Dass es in Deutschland reihenweise an wirklich fähigen und freien Ingenieuren fehlt, oder in Krankenhäusern kein Fachpersonal nachkommt, ist weithin bekannt. Aber wie sieht das denn in anderen Ländern aus? Was ist den mit den Ländern, wie zum Beispiel der Ukraine oder Polen, aus denen die Fachleute nahezu “fliehen”? Oder mit Ländern, wie Österreich, die in vielen Gebieten vom Tourismus leben aber keine einheimischen Angestellten bekommen? Und das bei einer Arbeitslosenzahl, die so hoch schon seit Jahren nicht mehr war? Da läuft doch was falsch.

Ich war übers Wochenende in Österreich und habe dort eine gute Freundin wieder getroffen, die in der Pension ihrer Schwiegereltern derzeit als Zimmermädchen aushilft, weil sie einfach niemanden finden, der diese Arbeit machen will. Und dabei geht es nicht mal darum acht oder mehr Stunden am Tag auf Knien durch Zimmer und Flure zu putzen. Nein, die Arbeit ist eigentlich sogar ideal für junge Mütter, deren Kinder am Vormittag in die KITA gehen. Aber weit gefehlt, trotz enorm hoher Arbeitslosenzahlen ist nicht an “einheimische” Bewerber zu kommen. Eigentlich komisch, sind diese Jobs dort nicht schlecht bezahlt und wer halbtags was sucht und sich dabei sogar die Zeiten noch selbst einteilen kann, sollte eigentlich nicht zögern. Aber wahrscheinlich wollen viele solche Jobs nicht oder (ich bin jetzt ketzerisch) fühlen sich zu etwas besserem berufen?

Ganz klar: Bestimmte Berufszweige, wie eben Tourismus, Ingenieursberufe oder Ärzte in Krankenhäusern sind einfach unterbesetzt und da muss dann eben auf Personal aus dem Ausland zurückgegriffen werden. Nur beschweren sollte sich Otto-Normal-Bürger dann aber bitte nicht.

 

Themenbereich(e): - Arbeitsalltag, In eigener Sache

 

4 Kommentare zu „Fachkräftemangel gibt es tatsächlich”

Paul
08.11.2012, 17:08 Uhr

#1

 

Hallo Claudi, ich bin Ingenieur und ich denke die Diskussion ist eine Lohndebatte. Es geht darum, dass die Ingenieure die als Leiharbeiter eingesetzt werden sollen nicht mehr weniger sondern sogar mehr verdienen möchten. Denn sie tragen ja, im Vergleich zu dem Festangestellten, ein Teil des Geschäftsrisikos.
Mehr dazu habe ich hier aufgeschrieben: http://www.cbcity.de/fachkraeftemangel


Holger
09.11.2012, 12:50 Uhr

#2

 

Für mich der Grund, warum es den Fachkräftemangel gibt, bedeutet einfach, dass es zu viele Spezialisten gibt, die sich selber für solchen Stellen als überqualifiziert bestimmen, oder die Stellen als unterbezahlt definieren. Ist das nicht ein Paradox: Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit zusammen? Am 5. Dezember gibt es ein Thementag zu diesem Thema. Die Unternehmer diskutieren die Ursachen und Strategien des Problems. Für Diejenigen, die sich dafür interessieren, die Anmeldung (völlig kostenlos) unter: http://www.marktundmittelstand.de/themen/fachkraeftemangel/thementag/?src=BL
Gruß

H.


Karen
10.05.2013, 13:20 Uhr

#3

 

Hallo:) Interessanter Blog den Sie hier betreiben! Ich denke auch, dass der Fachkräftemangel in manchen Branchen sehr ernstzunehmen ist und gerade für KMUs eine Gefahr darstellt, aber oft wird der Begriff auch ausgenutzt um beispielsweise viele junge Menschen von einem Maschinenbau-Studium zu “überreden”. Diese machen sich natürlich die Hoffnung vom großen Geld. Einen interessanten Artikel dazu habe ich auch hier http://www.bridge-imp.de/blog-artikel/items/fachkraeftemangel-deutschland-nur-ein-modeausdruck.html entdeckt.


Andreas
14.05.2013, 13:37 Uhr

#4

 

Ich persönlich erachte den angeblichen Fachkräftemangel allgemein als großen Schwachsinn. Sicherlich in der Gesundheitsbranche besteht ein großer Bedarf an Fachrkräften, aber von einem Mangel an Ingenieuren kann nicht gesprochen werden! Auf http://www.headhunter-light.de/ingenieure-aus-dem-ausland/ fand ich einen Artikel, dass ausländische Ingenieure Deutschland ja ach so toll finden. Klar, da sind die Arbeitsmarktsituationen noch schlechter! Jedes Jahr absolvieren in Deutschland tausende junge Leute ihr Ingenieurstudium. Diese müssen halt Praxiserfahrung sammeln, die aber halt diesen Leuten oft nicht geboten wird, lieber Lohndumping betreiben und die wenigen Angestellen Überstunden machen lassen. Unternehmen müssen halt in die Qualifzierung von Mitarbeitern investieren!


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