Fachkräftemangel überall

Geschrieben am 31.08.2010 um 07:54 Uhr von Reinhard Hoffmann

 

Wohin man auch hört und sieht in den letzten Tagen, Fachkräftemangel überall. Ob im Radio, Fernsehen oder in den Zeitungen, alle stellen plötzlich den erwarteten Fachkräftemangel fest. So, wir jetzt auch! Aber halt mal, ist das nun wirklich alles so schlimm? Ja und Nein.

Klar, seit Jahren sind die demographischen Trends bekannt. Die Einschreibezahlen an den deutschen Hochschulen sind auch kein Geheimnis. Also alles klar, nach der Krise kommt der Aufschwung und mit dem Aufschwung der Superfachkräftemangel, besonders in den Ingenieurwissenschaften. Wird die deutsche Wirtschaft nun ohne hunderttausende Fachkräfte aus dem Ausland zusammenbrechen? Natürlich nicht, hat sie ja noch nie getan. Warum bin ich mir da so sicher? Ganz einfach, nehmen wir mal die Softwareindustrie – die kennt diesen Aufschrei, der durch die Reihen der Personaler in großen und kleinen Unternehmen geht eigentlich seit ihrem Entstehen, sobald sich auf eine Stelle nicht zehn Leute bewerben, sobald man sich ein bisschen Mühe geben muss, um die Stelle zu besetzen, und sobald knapper gewordene Fachkräfte für gute Arbeit sich noch mehr gutes Geld wünschen.

Und wir wissen einfach, die Knappheit setzt ein paar Mechanismen in Gang, die den Zusammenbruch verhindern und noch ein paar andere positive Dinge in Gang bringen. Die da wären:

  1. Selektion von Projekten - Ein hoher Prozentsatz von Softwareprojekten scheitert, dauert viel länger als geplant oder ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. Trotz dieser allseits bekannten Weisheit werden immer wieder schlecht durchdachte, schlecht geplante oder schlecht gemanagte Softwareprojekte aus der Taufe gehoben. Alle sinnlosen oder schlechten Softwareprojekte angehalten – wir hätten einen IT-Fachkräfteüberschuss.
  2. Anziehung von bisher fehlallokierten Menschen – Werden durch Knappheit  Tätigkeiten von sozialem Status und der materiellen Anerkennung her attraktiv, streben Menschen mit Eignung, Vorkenntnissen, oder zumindest intellektuellem Potenzial in diese Tätigkeiten. Einer der größten Speicher für intelligente Menschen, die oft gut ausgebildet sind, stellen für mich die öffentlichen Verwaltungen dar. Möglicherweise klärt sich deren Sparzwang von selbst, wenn der aktivere und risikofreudigere Teil ihrer Belegschaften in möglicherweise spannendere Aufgaben mit mehr Entscheidungsspielräumen in die freie Wirtschaft abwandert. Und natürlich ist jeder kluge Kopf, der statt aus Verlegenheit Auslandsgermanistik zu studieren, von guten Berufsaussichten geködert, Informatik belegt, ein Gewinn für unsere Branche.
  3. Budgets und Fokus für die Personaler - Wir haben es schon immer gewusst, was man tun müsste, aber niemand hat uns zugehört. Und in der hoffentlich hinter uns liegenden Krise sind immer zuerst die Budgets der Personalabteilungen gekürzt worden. Na gut, dann machen wir uns eben jetzt, wie immer zeitgleich mit den anderen Firmen, Gedanken, wie und wo wir auch Menschen über 35 im Unternehmen arbeiten lassen, wie wir es den klugen Frauen im Erziehungsurlaub leichter machen, zurück in den Job zu kommen, wie wir mit Arbeitsagentur und Bildungsträgern vernünftige Qualifizierungskurse für unsere Jobs hinbekommen, wie wir nette Projekte mit unseren Hochschulen machen können und ob wir nicht doch wieder die Tischtennisplatte und den Kicker aus der Abstellkammer holen, wenigstens für den Tag der offenen Tür. Für all diese Dinge ist jetzt plötzlich wieder Budget und Begeisterung des Top-Managements da, jedenfalls bis zur nächsten Krise.

All diese Mechanismen gelten sicher mehr oder weniger auch in allen anderen Branchen – und wer am besten und kreativsten damit umgeht, gewinnt.

 

Themenbereich(e): - Arbeitsmarkt, Job&Karriere

 

Ein Kommentar zu „Fachkräftemangel überall”

Andre Haeusling
02.09.2010, 10:31 Uhr

#1

 

Hallo,

interessante Ansätze und Ideen zu den Mechanismen.
1. Ich glaube, dass einige Mechanismen bereits laufen. Viele IT-Beratungen selektieren, Ihre Projekte mittlerweile, weil die eigene Anzahl an Beratern die Nachfrage nicht deckt. Ob dann die richtigen Projekte umgesetzt werden, bleibt sicherlich fraglich.
2. Das wäre ein wirklich wünschenswerter Mechanismus, wenn sich darüber die Verwaltungsstrukturen verschlanken würden.
3. Es liegt an den Personalern selbst, was sie aus dieser Situation machen. Oft fehlt hier noch die Kreativität und vor allem der Pragmatismus.
Ich freue mich jeden Tag darüber zu sehen, wer gewinnt und wer verliert, im berühmten “War for Talents”. Das wird noch eine spannende Zeit.

Viele Grüße
André Häusling
http://www.hr-competence.com/blog


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