Gehaltswünsche und Gehaltsangabe
Geschrieben am 04.12.2009 um 07:49 Uhr von Daniela
Nichts ist Bewerbern unangenehmer als die Angabe des Gehaltes – so ist zumindest mein Eindruck. Im Lebenslauf steht das angestrebte Gehalt nur dann, wenn es in der Stellenausschreibung gefordert wird. Im Telefonat drucksen die meisten erst mal rum und sagen, sie hätten keine Vorstellungen, was für die Stelle angemessen sei. Aber geht es darum, ein angemessenes Gehalt für die Stelle zu fordern? Ist es nicht eher das Gehalt für die geleistete Arbeit des Bewerbers?
Ich denke, dass jeder Mensch eine Zahl im Kopf hat, die er für seine Arbeit als angemessen ansieht. Die Zahl entsteht nicht einfach so aus dem Nichts, sondern ergibt sich aus vielen Referenzwerten: aus der Ausbildung und der Berufserfahrung, aus Branchenwissen und Gehältern vergleichbar Qualifizierter, aus Gehaltsstudien und nicht zuletzt aus den Gesprächen mit Freunden und Familie.
Und trotzdem bleibt die Angst, sich mit der Nennung seiner Gehaltsvorstellung ins Bewerbungsabseits zu schießen. Aber warum? Sicher die Gefahr, dass man zu hoch pokert, besteht, aber dass man deswegen gleich aus dem Auswahlverfahren rausfliegt, ist eher unwahrscheinlich, wenn die Qualifikationen überzeugen. Immerhin gibt es ja auch noch einen gewissen Verhandlungsspielraum.
Und auf der anderen Seite muss man sich mal überlegen, welchen Eindruck man beim Arbeitgeber hinterlassen könnte, wenn man über seine Gehaltsvorstellung keine genauen Angaben machen kann oder möchte: Kann der Bewerber sich gut selbst einschätzen? Kennt er seinen „Marktwert”?
Wer sich übrigens im Ausland bewirbt, sollte wissen, dass beispielsweise Engländer, Amerikaner und Franzosen mit der Angabe des Gehaltes überhaupt keine Probleme haben. Darüber hat Eva in ihrem Blogartikel geschrieben.
Ach und übrigens… das Wort „Gehaltswunsch” habe ich bewusst nicht genutzt. Denn wenn es um Wünsche geht, kenne ich persönlich beim Gehalt keine Grenzen.
Themenbereich(e): - Arbeitsmarkt, - Bewerbungsunterlagen, - Vorstellungsgespräch, Berufseinstieg
5 Kommentare zu „Gehaltswünsche und Gehaltsangabe”
Immerhin gibt es ja auch noch einen gewissen Verhandlungsspielraum.
Wie groß muss man sich denn diesen Verhandlungsspielraum vorstellen?
@LeSpocky: Schwer zu sagen. Grundsätzlich ist meine Erfahrung, dass ein allzu großer Abstand vom Idealgehalt aus Sicht des Arbeitgebers (ab 50% mehr) erstmal abschreckend wirkt. Und dennoch fallen diese Kandidaten nicht aus dem “Raster”, wenn sie von den Qualifikationen her passen. In den Gehaltsgesprächen merke ich dann auch häufig, dass der Bewerber einfach ein bisschen pokern wollte oder sich nicht umfassend genug informiert haben und dann nur einen Durchschnittswert aus der Gehaltsstudie xy angegeben hat. Ich denke, was für den Bewerber ebenso wichtig ist, wenn er mit einem niedrigeren Gehalt als erwartet auskommen muss, ist eine nachhaltige Gehaltsplanung mit Zielvereinbarungen etc.
So viel Objektivität trauen ich Arbeitgebern nicht zu, häufig entscheiden auch ganz andere Faktoren, die unbewußter Natur sind. Natürlich wird ein zu hohes Gehalt zu einem Auschlußkriterium werden, wahrscheinlich auch eine etrem niedrige Gehaltsforderung. In vielen Fällen spielen aber auch noch andere Variablen eine Rolle, von denen der Mensch gerne glaubt, dass er sie kontrollieren könnte. Ich finde diese Diskussionen immer zu rational, denn es gibt viele Studien, die belegen, dass Ähnlichkeitseffekte oder physische Attraktivität immer unterschätzt werden.
Adam Weißhaupt
#5
So erlebt in einem Bewerbungsgespräch bei einer mittleren Unternehmensberatung:
Personaler: Wieviel haben sie sich denn vorgestellt?
Ich: 42.000 EUR
Personaler: Das ist aber wenig, bei uns würden sie entschieden mehr verdienen.
Nach dem Gespräch war übrigens Schluss für mich (obwohl ich ansonsten mE gut abgeschnitten hate), für die zweite Runde am Nachmittag wurde ich nicht mehr dazugebeten.
Die 42.000 EUR war genau der Betrag, den ich in versch. Foren (u.a. Squeaker) gelesen hatte.
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Strangerli
04.12.2009, 09:17 Uhr
#1
Natürlich wird man bei einer zu hohen Gehaltsvorstellung vielerorts aus dem Bewerberpool ausgeschlossen zu werden. Für einige ist die hohe Qualifikation nebensächlich geworden. Vielleicht auch weil die ausgeschriebene Stelle einfach nur die vorgegebenen Mindestanforderungen braucht.