„Warum waren Sie nicht im Ausland?“

Geschrieben am 28.12.2009 um 08:12 Uhr von Johannes

 

Eigentlich hatte ich ja nicht vor eine Reihe von möglichen Fragen im Vorstellungsgespräch zu diskutieren, aber viele meiner Bewerber kommen genau bei dieser Frage mit Ihren Antworten ins Schleudern und reden sich um Kopf und Kragen. Aber auch hier gibt es eine einfache Lösung für das Problem.

Für viele internationale Unternehmen ist ein Auslandsaufenthalt eines Bewerbers von mindestens 6 Monaten im Lebenslauf heute schon obligatorisch. Hinter diesen Erfahrungen vermutet dann der Personaler, dass sich der Kandidat schnell in einer neuen Umgebung einleben kann und zudem noch die jeweilige Landessprache fließend beherrscht. Auch wenn Auslandserfahrungen bekanntlich nicht alles sind, stehen Bewerber oftmals im Vorstellungsgespräch vor dem Problem, was sie antworten sollen, wenn Sie genau über diese Erfahrungen nicht verfügen.

Eine Antwort auf die Auslandsfrage ist häufig, dass dafür keine Zeit oder kein Geld vorhanden gewesen wäre.  Bei letzterem lautet dann meine erste Gegenfrage: „Warum haben Sie sich nicht um eine Förderung, wie zum Beispiel beim Leonardo-da-Vinci- oder Erasmus-Programm bemüht?”.

Ein weiteres Argument, was den Bewerbern häufig einfällt, ist, dass das zu straffe Studienprogramm keinen Auslandsaufenthalt zulässt. Diese Antwort solltet Ihr Euch ebenfalls verkneifen, da man sich inzwischen – dem Bolognaprozess sei Dank – viele Prüfungsleistungen anrechnen kann. So kann es ganz schnell gehen, dass die Antwort nach hinten losgeht.

Soweit so gut. Aber wie kommt man nun den Kopf aus der Schlinge? Eine einfache und sehr plausible Antwort auf die Frage nach fehlenden Auslandserfahrungen während der Studienzeit, habe ich mal von einem erfahrenen Bewerbungstrainer erhalten, dieser gab mir den Rat, wie folgt zu antworten: „Ich habe den Wert eines Auslandsaufenthaltes während meines Studiums unterschätzt.” Bei dieser Antwort kommen bestimmt kaum Gegenfragen auf, da der Kandidat dem Personaler signalisiert, dass er aus einem möglichen Fehler gelernt hat. Manchmal kann die Welt so einfach sein. ;-)

PS: Wenn Ihr noch tolle Ideen habt, wie man auf die Frage außerdem antworten kann, immer her damit.

PSS: Bei unseren Jobangeboten sind die fehlenden Auslandserfahrungen kein Ausschlusskriterium, für uns zählt vielmehr das Gesamtbild eines Bewerbers.

 

Themenbereich(e): - Vorstellungsgespräch

 

6 Kommentare zu „„Warum waren Sie nicht im Ausland?“”

Andy
28.12.2009, 09:01 Uhr

#1

 

Die Frage ist aber schon recht frech ;)

Für mich z.B. brächte ein Auslandsaufenthalt einen finanziellen und organisatorischen Aufwand mit sich, den ich kaum stemmen könnte: Was passiert mit meiner Wohnung? Wo lagere ich meinen Haushalt, wenn ich die Wohnung aufgeben sollte? Und wer bezahlt dafür? Wie kompensiere ich den Einkommensverlust, wenn ich meine Studentenjobs für den Auslandsaufenthalt aufgebe?

Förderungsmaßnahmen a la Erasmus sind ja schön und gut. Aber ohne Bafög-Höchstsatz oder Unterstützung der Eltern fährt zumindest in meinem näheren Umfeld niemand für ein Semester oder zwei ins Ausland…


Stefan
28.12.2009, 09:07 Uhr

#2

 

Sehr gute Antwort!
… auch wenn für mich weniger interessant, da ich einige Zeit im Ausland verbracht habe.

Aber hierzu: “da man sich inzwischen – dem Bolognaprozess sei Dank – viele Prüfungsleistungen anrechnen kann.”
Das ist bei einigen WiWi-Studenten sicherlich richtig (wie bei mir).
Das Problem, was sich aber heute oftmals stellt, ist, dass man durch ein Auslandssemester aus dem Rythmus des Bachelor-Studiums herauskommt und notwendige “Anschlussveranstaltungen” (im darauffolgenden Semester) nicht belegen kann, da man in dem Semester im Ausland ist. Zur Folge hat dies, dass man aufgrund der mitunten strikten Studienvorgaben ebenfalls ein Semester länger die Studienbank drücken muss.

Bei Geisteswissenschaftlern ist es noch gravierender. Hier bedeutet i.d.R. tatsächlich jedes Auslandssemester ein weiteres Semester Studium.

http://twitter.com/stelten


Annette
28.12.2009, 10:46 Uhr

#3

 

Bis dato bin ich mit der Antwort: “an den Partnerhochschulen hätte ich meinen von mir gewählten Schwerpunkt (Personalmanagement) nicht fortsetzen können. Daher habe ich mich gegen ein Auslandsjahr und für meinen fachlichen Schwerpunkt entschieden.” immer gut gefahren. Habe sogar in einem multinationalen Konzern eine Stelle bekommen, obwohl ich nicht im Ausland war.

Denn: nur ins Ausland zu gehen, weil es nett und hübsch aussieht und man als Studi an einer ausländischen Partnerhochschule Party machen möchte, halte ich für wenig zielführend. Just my 2 cents. ;-)

Wenn es sich fachlich sinnvoll ergänzt, dann auf jeden Fall. Ansonsten plädiere ich eher nicht für ein Auslandssemester, sondern für ein Auslandspraktikum.


[...] den vielen Fragen eines Personalers kommt auch immer mal die neugierige Frage nach dem aktuellen Bewerbungsstand des Kandidaten. Doch [...]


Anna
15.06.2011, 19:19 Uhr

#5

 

Tja, ich habe das Problem, dass ich ein Bewerbungsgespräch an einer Uni habe (für einen Studienplatz) und ich mich aus familiären Gründen nicht für das Studium MIT Auslandsaufenthalt entscheiden konnte, sondern “nur” für das Studium vor Ort. Was antwortet man denn dann auf solch eine Frage? Nachher denkt man noch, ich wäre ein Nesthäkchen oder ich hätte keine Zeit fürs Studium. Fakt ist aber, dass ich mich unter anderem mit um das Kind meines Lebenspartners kümmere und nicht einfach für ein Jahr “verschwinden” kann, aber für das Studium ist natürlich die Zeit da. Ich bin da nun etwas ratlos.


Sabine Horst
24.03.2014, 02:46 Uhr

#6

 

Quote: „Warum haben Sie sich nicht um eine Förderung, wie zum Beispiel beim Leonardo-da-Vinci- oder Erasmus-Programm bemüht?”

Ich kenne das Leonardo-da-Vinci-Programm nicht, jedoch zum Erasmus-Programm: Weil die Förderung gerade einmal ca. 200 Euro pro Monat beträgt. Das mag in Indien super sein, jedoch in vielen europäischen Ländern nicht, für welche dieses Programm ausgelegt ist.

Quote:Ein weiteres Argument, was den Bewerbern häufig einfällt, ist, dass das zu straffe Studienprogramm keinen Auslandsaufenthalt zulässt. Diese Antwort solltet Ihr Euch ebenfalls verkneifen, da man sich inzwischen – dem Bolognaprozess sei Dank – viele Prüfungsleistungen anrechnen kann.

Auch dies stimmt nur teilweise. Ein Großteil der Universitäten, lässt Anrechnungen nur sehr eingeschränkt zu, selbst wenn das theoretisch natürlich problemlos möglicher ist als früher. Viele Unis scheinen aber ihre eigenen Module über denen der ausländischen Universitäten anzusiedeln, weshalb oft nur eine Anrechnung von 10-15 Credits möglich ist. Zahllose Hochschulen sind auf den Fall eines Auslandsaufenthaltes auch schlicht und ergreifend nicht vorbereitet.

Insofern: Beide Antworten ausargumentiert :)


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