Kann mein neuer Arbeitgeber sehen, was ich bisher verdient habe?

Geschrieben am 02.12.2008 um 08:03 Uhr von Jeanette-Freya Enders

 

Sicherlich hat sich diese Frage auch schon einmal der eine oder andere von Euch gestellt. Letztlich ist das ja auch nicht ganz uninteressant. Als ich mich mit dieser Thematik auseinander setzte, war ich doch auch ein wenig überrascht zu lesen, dass die Frage nach dem vorangegangen Gehalt und ob diese überhaupt zulässig ist, gar nicht so einfach mit ja oder nein zu beantworten ist. So ist die Frage nur dann wahrheitsgemäß zu beantworten, wenn die vorangegangene und die zukünftige Position vergleichbar sind. Hierzu gibt es gar ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 19.5.1983, AZ: 2 AZR 171/81. Sind diese als unterschiedlich zu betrachten (wo auch immer da die Grenze gezogen wird), darf man auf diese Frage mit einer entsprechenden Lüge antworten. Sollte man sich als Bewerber dazu entschließen von sich aus, also ohne ein explizites Nachfragen, das vorangegangene Gehalt als Mindestvergütung anzusetzen, ist man wiederum auch dazu verpflichtet, wahrheitsgemäß zu antworten.

Weiterhin ist neben diesem ja nun auch schon etwas älteren Urteil zu bedenken, dass in vielen Arbeitsverträgen eine Klausel vorhanden ist, die den Arbeitnehmer, auch über die Zeit des eigentlichen Angestelltenverhältnisses hinaus, dazu verpflichtet, über sein Gehalt stillschweigen zu bewahren. Auch hierauf kann man sich also durchaus berufen, sollte man mit dieser Frage konfrontiert werden.

Nun aber zum eigentlichen Clou dieser ganzen Diskussion. Erlaubt hin oder her…kann denn mein neuer Arbeitgeber nun eigentlich herausfinden, was ich vorher verdient habe? Hierzu ein ganz klares „Nein, nicht mehr!” Früher war es einmal so, dass das Gehalt direkt auf der Lohnsteuerkarte eingetragen wurde. Mit anderen Worten hätte man dem neuen Arbeitgeber zwar alles Mögliche erzählen können, aber spätestens bei Übergabe der Karte, wäre der ganze Schwindel aufgeflogen.

Seit 2005 gibt es elektronische Lohnsteuerbescheinigungen. Diese haben in den Händen des Arbeitgebers nichts zu suchen. Mitunter sind diese zwar an der Lohnsteuerkarte festgeheftet, jedoch ist es aus Datenschutzgründen absolut zulässig, diese von der Karte abzutrennen und erst bei der Ablieferung der Steuererklärung wieder anzuklammern.

Mit anderen Worten, es gibt eine rechtliche Grundlage, die es einem unter Umständen verbietet an dieser Stelle zu lügen, jedoch hat der neue Arbeitgeber so oder so keine Möglichkeit mehr, die Angaben des Bewerbers, gleich oder später zu überprüfen.

 

Themenbereich(e): - Vorstellungsgespräch, Arbeitsrecht, Bewerbung, Job&Karriere

 

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