Sind Blogs gefährlich?

Geschrieben am 07.03.2008 um 09:40 Uhr von Isa Schmiedgen

 

Ob Blogs nun out sind oder nicht, darüber kann man, wie gestern gesagt, streiten. Aber sind Blogs wirklich gefährlich? In der SZ fand ich gestern Morgen einen Artikel über Mobbing, Hetze und persönliche Beleidigungen und deren mögliche Folgen für Betroffene, bis hin zum Selbstmord.

Leider muss man, will man zum Kern des Artikels vorstoßen, erstmal einen sehr langen Bericht über eine private Trennungsschlammschlacht hinter sich bringen, doch dann kommt auch endlich das Problem konkret zur Sprache: Was können Menschen anrichten, die anonym durch Kommentare in Blogs andere denunzieren? Scheinbar hat es auf den Selbstmord von Paul Tilley, der in einer New Yorker Werbeagentur tätig war, Einfluss gehabt, was im Netz über ihn verbreitet wurde. Aber auch in nicht so drastischen Fällen wirft sich hier die Frage nach ethischen Maßstäben auf, die man als Blogger im WorldWideWeb haben sollte.

Das Problem ist in erster Linie wohl nicht unbedingt die Anonymität, sondern dass sich Menschen überhaupt aus Langeweile, Charakterschwäche oder bloßer Bösartigkeit über Andere hermachen. Das verschließt sich mir dann doch größtenteils. Sicher, ich kann auch nicht jeden leiden, genauso wenig können mich alle Menschen mögen. Manche finden mich wahrscheinlich richtig doof und ich wiederum auch Einige. Aber die Frage ist doch, ob ich dann mit Gerüchten auch noch meine Antipathie auf diesem Niveau derart öffentlich machen muss? Dann wohl doch eher wohlmeinendes Aus-dem-Weg-Gehen.

Schlimm ist, wenn sich nun doch jemand der dunklen Seite der Macht zuwendet, dass dieser im Netz auch noch ohne Preisgabe der eigenen Identität fröhlich anderen den Ruf versaut. Jeder Blogger sollte beleidigende Kommentare sperren, vor allem wenn sie anonym sind und der Kommentator nicht belangt werden kann. Da sollte verfahren werden wie mit Spam-Kommentaren: Gebt denen keine Chance für ein öffentliches Podium.

Man könnte sogar so weit gehen und darüber nachdenken, ob Blogger haftbar gemacht werden können, wenn sie zulassen, dass Menschen attackiert werden! Wie immer im Leben hat nun das aber auch Nachteile. Ich höre schon vor meinem geistigen Ohr die Schreie: “Aber die Meinungsfreiheit!” Ja, die Meinungsfreiheit ist ein unschätzbares Gut. Aber es gibt einen Unterschied zwischen: “Gabi mag ich nicht. Ich teile nicht ihre Weltanschauung.” und “Gabi ist ne …., die sich nur durch die Welt …. ”

Insofern ist der Gedanke über eine Art Blogger-Ethos sicher nicht falsch und ich bin heilfroh, dass es zumindest hierzulande eher eine Seltenheit zu sein scheint, dass sich Menschen derart über andere hermachen. Mir ist bis jetzt zumindest noch kein Blog über den Weg gelaufen, in dem Menschen persönlich beleidigt, gedemütigt und gemobbt werden.

 

Themenbereich(e): Allgemein

 

3 Kommentare zu „Sind Blogs gefährlich?”

Martin Emmerich
07.03.2008, 21:03 Uhr

#1

 

Es ist bezeichnend, daß dieser Artikel von dem erklärten Bloggerhasser der Süddeutschen, Bernd Graff stammt. Schließlich schwimmen den Zeitungen die Felle weg, erst recht dem ziemlich überflüssigen online-Abklatsch sueddeutsche.de, deren stellvertretender Chefredakteur Graff ist.

Wären nicht die diversen Buch-, Video- und CD-Reihen der SZ dazwischengekommen (eine Idee, die sie ihrerseits von einer spanischen Zeitung “übernommen” haben, so erzählte der Marketingchef der SZ einmal), so wäre auch die Süddeutsche pleite. Nach dem Lesen von Graffs Artikeln über Internet und Bloggen fange ich inzwischen manchmal an, zu bedauern, daß das noch nicht so ist.


[...] von privaten, persönlichen und intimen Dingen die Finger zu lassen? Vielleicht sollte man – wie im Bewerberblog vorgeschlagen – über einen Blogger-Ethos nachdenken? Vielleicht mit einer Art Button [...]


Blogs mit Gütesiegel? : Bewerberblog.de
02.07.2008, 07:48 Uhr

#3

 

[...] denn nicht gemeint. Die Notwendigkeit von Medienethik auch und gerade im Internet habe ich schon an anderer Stelle zum Ausdruck gebracht und auch so gemeint. Jedoch kann staatliche Reglementierung zum einen nicht [...]


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